Endlich mal wieder Fantic fahren! Mit siebzehn hatte eine 50ccm³ Fantic Caballero meine Zweirad Offroadleidenschaft geweckt, die bis heute voll anhält. Viele Motorrad Offroader lieben das Training mit dem E- Mountainbike. Im Vergleich zum Motorsport unkompliziert, bietet es viele Parallelen und eignet sich hervorragend um Bewegungsabläufe und Fitness aufs Motorrad Geländefahren vorzubereiten. Und es macht Spaß! Lest dazu meine Blogbeiträge – E-Bikes für Enduropiloten – und – Winter E-Biken – perfektes Training für Motorrad Offroader-.
Von Rofa Sport bekam nun ich die Möglichkeit ein aktuelles Fantic E-Enduro zu fahren.

Das Intergra XMF 1.7 wird von Fantic im Segment Trail/Enduro positioniert. Dabei ist es mit 170mm Federweg vorne und hinten sehr abfahrtslastig ausgelegt. Als Antrieb wird der Brose S-Mag Motor in Verbindung mit einer großen 720Wh Batterie verwendet. Also so gesehen schon mal gute Voraussetzungen für Fahrspaß bergauf wie bergab. 😊
Der Rahmen ist beim XMF 1.7 Sport aus Aluminium gefertigt. Die Anbauteile mit Rock Shox YARI Gabel, De Luxe Select Air Dämpfer und Sram Komponenten sind funktionell in Ordnung, aber hier wäre definitiv Luft nach oben. Aber dann wäre der Preis eben auch in höheren Sphären. Mit etwas über 5.000,- ist das Preis-Leistungssverhältnis nämlich top!
Die Optik der Integra Modelle mit geschwungenen Oberrohr und auffälliger, gefräster Federbein Wippe macht was her. Italian Style sozusagen. In den Details kann Fantic zwar nicht ganz mit den Big Playern wie Spezialized mithalten, aber auch hier muss man den Preis im Auge behalten.

Bergauf mit dem Fantic E-Bike

Das Testrad ist ein „M“. Es gibt beim Integra lediglich 3 Rahmenhöhen, wobei ich genau zwischen M und L liege. Im Zweifel nehme ich das kleinere Bike, da ich auf gutes Handling Wert lege. Gewohnt bin ich das Spezialized Kenevo Gen2 mit extrem langer, progressiver Geometrie. Der Umstieg auf das XMF mit eher „Old School“ E-Bike Geometrie ist das schon arg. Mit 76cm ist der Lenker schmal. Das Tretlager ist um fast 2cm höher, so hat man ein etwas stelziges Gefühl und ist nicht so ins Bike integriert wie ich das vom Spezialized gewohnt bin. Ok, dafür gibts weniger Pedalaufsetzer wenn es verblockt bergauf geht.

Relativ hohes Tretlager und kurzer Reach am Fantic – ungewohnt für Spezialized Kenevo Fahrer

Der Reach (Abstand Tretlager zu Steuersatz) ist bei Größe M gleich um 4cm kürzer als bei meinem Kenevo Gen2 in S4 (zum Levo Gen3 sind es 2cm). Das fällt beim Stehen stärker auf, man steht aufrechter und weniger sportlich. Im Sitzen ist der Unterschied nicht so sehr spürbar, denn der Sitzwinkel ist beim Fantic mit 73° deutlich flacher, wodurch man im Sitzen wieder mehr Platz zum Lenker bekommt. Allerdings tritt man etwas mehr von hinten als von oben. Der Lenkwinkel ist mit 65° für heutige Enduroverhältnisse etwas steil und die Lenkung fühlt sich auch agil an. Dennoch kommt mir das Fantic bei schnellen Richtungswechseln träge vor. Ich nehme an, das liegt an den Kettenstreben, die noch etwas länger sind als bei meinem Kenevo Gen2. Der Radstand des Fantic ist ca 5cm kürzer als beim extremen Kenevo, aber eben aufgrund des kürzeren vorderen Rahmendreiecks. In Summe also etwas „retro“ die Geometrie.

Lange Kettenstreben und feinfühliger Hinterbau sorgen für Traktion bergauf

So gar nicht retro ist wiederum die Auslegung des Integras als Mullet Bike, also mit 29“ Laufrad vorne und 27,5“ hinten. Da war Fantic schon vor Jahren voll dabei. Spezialized zieht mit dem neuen Levo Gen3 erst mit 2022 nach.
Alles in allen ist die Fantic Geometrie für mich ungewohnt, aber beim Dahinrollen und bergauf einmal kein Spaßbremser. Durch den Schnee waren keine technischen Auffahrten möglich. Ich denke bei steilen Kehren bergauf ist die Geometrie nicht ideal, wenns verblockt steil rauf geht sehr wohl. Hier kann sich dann auch der fein ansprechende Hinterbau in Szene setzten. Der generiert nämlich viel Traktion und Komfort ohne störendes Wippen und ohne zuviel einzusacken.

Kräftig, leise und im „Tour Modus“ gut zu dosieren – Brose S-Mag Motor

Highlight im Integra ist der Brose S-Mag Motor, der im Fantic besonders leise zu Werke geht. Bergauf wie bergab nahezu geräuschlos. Dazu ist er sehr natürlich zu fahren und bei Bedarf sehr kräftig. Von den 4 voreingestellten Unterstützungsstufen ist der „Tour“ Modus ideal. Nicht zu stark, nicht zu schwach und batterieschonend. Der Sprung auf „Sport“ ist dann zu allerdings zu groß geraten, hier wird die Motorpower gefühlt verdoppelt, zuviel des Guten. Dafür ist „Boost“ dann nicht viel stärker als Sport. Da lohnt die Feinabstimmung über die Brose App.
Das Brose Allround Display ist klein und unauffällig, das gefällt. Auch die farbigen Anzeigen passen gut, der Batteriestand kann sogar in Prozentschritten angezeigt werden! Leider sind die Tasten für die Unterstützungsstufen nicht optimal plaziert und geben zuwenig haptisches Feedback. Im Gelände habe ich da öfter die richtige (Unterstützung-) Taste verfehlt oder eine falsche Taste erwischt.
Eine große 720Wh Batterie ermöglicht lange Ausfahrten; da ist das Integra up to date.

Aber jetzt geht’s endich bergab, Fahrspaß garantiert

Das Fantic E-Bike in der Abfahrt

Die Downhills waren auf harter Schneepiste, weiter unten im weichen Schnee und schließlich wurzelig im Wald. Auch wenn man es hier nicht richtig krachen lassen kann, fällt auf das das Federbein richtig gut anspricht und den Federweg schön nutzt. Das war ja auch schon bei der Auffahrt zu spüren. Die YARI Gabel fühlt sich dagegen etwas unterdämpft und holprig an, kann nicht mit dem Top Hinterbau mithalten. Die Geometrie funktioniert bei Schneebedingungen eigentlich recht gut. Hier kommt es mehr auf Geradeauslaufqualitäten als auf Handling an. Und da gibt das Integra viel Sicherheit. Das 29“ Vorderrad neigt weniger zum Eingraben im Schnee und das kleinere 27,5“ Hinterrad würde mehr Platz bei Gewichtsverlagerungen hinter den Sattel lassen. Würde wohlgemerkt, da die Sattelstütze lediglich 100mm Einschub hat, was für große Fahrer in steilem Gelände viel zu wenig ist.

Bergab auf Schnee vermittelt das Integra viel Sicherheit

Wird es enger und technischer gefällt mir eine moderne tiefere, längere Stehposition wie bei Spezialized besser. Dazu kürzere Kettenstreben, um das Bike vorne leichter hochziehen zu können und für besseres Handling in engen Kurven. Da ist mir ja auch das aktuelle Kenevo Gen2 zu lang und zu sperrig, ein Grund warum ich 2022 aufs neue Levo umsteige. Ein anderer Grund ist das Gewicht, denn das Levo ist um gut 2,5kg leichter als das Kenevo. Das Fantic schätze ich auf etwas unter 24kg, also etwas leichter als das Kenevo, das mit Doppelbrückengabel und massiveren Laufrädern/Reifen bestückt ist. Damit ist das Integra kein Leichtgewicht, aber durchaus im üblichen Rahmen aktueller E-Bikes.

Das gefällt:

  • Preis-Leistungsverhältnis
  • Brose S-Mag leise und kräftig
  • Große 720WH Batterie
  • Mullet Auslegung (29“ vorne, 27,5“ hinten)
  • Hinterbau Funktion

Das ginge besser:

  • Geometrie nicht up to date
  • Keine Flaschenhaltermontageoption
  • Sattelstütze hakelig und Einzug zu kurz
  • Lenker zu schmal
  • Gabel nicht auf Level des Hinterbaus

Fazit

Das Fantic Intregra XMF 1.7 Sport kann als E-Enduro bei preisbewussten Piloten durchaus punkten. Für ein vergleichbar bestücktes Spezialized zahlt man fast 2.000,- mehr. Dort bekommt man dann eine progessivere Geometrie, schönere Verarbeitung und praxistauglicher Anbauteile. Ob man das braucht und will muss jeder für sich selbst entscheiden. Das Fantic bietet jedenfalls für knapp über 5.000,- viel Fahrspaß und funktioniert wirklich gut. Vor allem der Brose Motor, den ja auch Spezialized in einer adaptieren Version verwendet, ist ein Kaufargument. Trotz Mullet Auslegung (29“vorne, 27,5“ hinten) ist bei der Geometrie Luft nach oben, das wird vor allem erfahrene Biker stören, Neueinsteiger oder Motorrad Offroader, die ein Trainingsgerät suchen, kommen damit sicher gut zurecht. Ich als erfahrener E-Biker mit hohen Ansprüchen bleibe allerdings bei Spezialized. Und zwar beim neuen Levo Gen3. Ja, auch vom Rofa Sport. 😊