2020 vorgestellt, gibt es den Dunlop Geomax EN 91 jetzt auch in einer „Soft“ Variante mit dem Zusatz „EX“. Gedacht ist der Extrem Enduro Reifen für Bewerbe wie das Red Bull Erzberg Rodeo oder die Red Bull Romaniacs, wo an die Reifen ganz spezielle Ansprüche gestellt werden.

Enduro Wettbewerbsreifen

Die F.I.M, der Motorradweltverband, schreibt am Hinterrad die Stollenhöhe und den Negativprofilanteil vor. Die Größe und Anordnung der Stollen sowie Karkasse und Gummimischung können frei gestaltet werden. So geht hier jeder Hersteller seinen eigenen Weg.

Klassische Wettbewerbs Enduroreifen sind immer ein Kompromiss. Durch das unterschiedliche Gelände müssen sie auf harten wie weichen Terrain funktionieren. Und dass bei Nässe wie bei Trockenheit. Dazu sollen sie haltbar sein und bei Wettbewerbsspeed Stabilität bieten. Ein klassischer Endurowettbewerb wird in den schnell gefahrenen Sonderprüfungen entschieden. Daher benötigt der Reifen – bzw. Karkasse und Stollen – eine gewisse Stabilität, um bei Druck nicht wegzuknicken. Hier ist ein zu weicher Gummi nicht von Vorteil.

Klassische Enduroreifen lassen sich auch auf der Motocross Strecke gut fahren

Dunlop Geomax EN91

2020 hat der Dunlop Geomax EN91 den Geomax Enduro abgelöst und gleich mal die International Six Days, den Nationenbewerb der Endurofahrer, gewonnen. Auf Profiniveau scheint er gut zu funktionieren.

Einzigartig im Enduroreifenbereich ist die schaufelförmige Profilanordnung am Hinterrad und ein ausgeklügeltes Stollenprofil am Vorderrad. Die Karkasse ist weich, aber dennoch robust und damit tublisstauglich. Ich bin den Reifen mit dem Schlauchlossystem gefahren – Tubliss Test KTM EXC – Die hohe Widerstandsfähigkeit der Gummimischung sorgt für Stabilität und Schutz vor Durchstichen.

Die Stärken hat der EN91, wenn der Boden tief wird. Die F.I.M. beschränkt ja die Stollenhöhe, was auf tiefem Boden gar nicht fein ist. Mit dem Schaufelprofil am Hinterrad wird dennoch massig Traktion generiert. Auf harten Böden entscheidet die Gummimischung, und die hat Dunlop gut getroffen. Weich genug für Grip auf Felsen, aber dennoch gute Stabilität und Haltbarkeit.
Wo der EN91 noch punktet, ist in Schrägfahrten. Hier sorgt modernstes Profildesign der Seitenstollen (Hex Shape und Tilt Crown Blocks) für einen spürbaren Wettbewerbsvorteil.

Extremenduroreifen

In den letzten Jahren entwickelte sich parallel zum klassischen Hard Enduro eine noch härtere Variante, das Extremenduro. Wie der Name sagt, geht es hier extremer zur Sache. Das Gelände ist zumindest eine Stufe härter und die Anforderungen an den Reifen sind unterschiedlich. Hier geht es nicht darum, aggressiv schnell zu fahren, sondern überhaupt die Schwierigkeiten zu meistern. Traktion steht über Stabilität und Verschleiß, entsprechend kann die Gummimischung schön weich sein. So ist ein „Soft“ Reifen inzwischen bei Extremendurobewerben Standard und jeder namhafte Enduroreifenanbieter hat zumindest eine Softvariante im Angebot.
Vorteil ist natürlich die Traktion vor allen auf glatten, rutschigen harten Flächen wie Steinen oder nassen Wurzeln. Hier punktet die Gummimischung voll. Nachteile haben softe Gummimischungen bei tiefen Boden, wenn schnell gefahren wird und beim Verschleiß. Je nach Hersteller können die Nachteile mehr oder weniger gravierend ausfallen.

Wenn es zur Sache geht, schlägt die Stunde der Extremenduroreifen:

Dunlop Geomax EN91 „EX“

Die neue EX Version des Geomax EN91 kommt mit deutlich weicherer Gummimischung. Schon mit der Hand lassen sich die Stollen leicht bewegen und der Gummi wirkt „klebrig“. Die Anordnung der Stollen ist gleich wie beim Basismodell. Rein optisch ist kein Unterschied auszumachen.
Ich hatte die Möglichkeit, den EX auf nassen glatten Steinen und feuchten, erdigen Böden zu testen. Hier ist es unglaublich, wie man in rutschigen Terrain, speziell bei Auffahrten, wieder anfahren kann. Für mich die erste Erfahrung mit einem Softreifen. Natürlich entscheiden immer noch die Fahrkünste, aber bei einem Fehler und Stillstand kommt man einfach leichter wieder in Fahrt, wo bei einem klassischen Enduroreifen nichts mehr ginge.

Mein Kollege hatte einen Mitas EF07 Supersoft montiert, ein Klassiker und ein guter Vergleich. Wie schon beim EN091 hat auch die EX Version Vorteile, wenn der Boden tief wird und das Schaufelprofil in den Boden eindringen kann. Beim Bremsen bzw. bergab ist die Stollenanordnung allerdings ein Nachteil, hier bietet ein symmetrisches Profil etwas mehr Gefühl fürs Hinterrad. Außerdem kann man dann den Reifen besser beidseitig nutzen.
Bei Schrägfahrten am Hang ist der EX auch im Vorteil, man kann länger die Spur halten, ohne abzurutschen. Auch hier ist die spezielle Profilgestaltung wie beim Standard EN91 zu spüren. Beim schnelleren Fahren auf Hobbyniveau war der softe Reifen für mich überraschend stabil und sicher zu fahren. Auch auf den kurzen Asphalt Verbindungsstücken. Dazu gab es wenig Verschleiß nach 200km Hardenduro. Damit habe ich nicht gerechnet.

Extremenduroreifen für Hobbyfahrer?

An sich sind die Reifen mit der weichen Gummimischung als Spezialisten für Profis gedacht. Aber auch viele Hobbyfahrer nutzen die Traktionsvorteile. Da Hobbyfahrer nicht auf Sonderprüfungszeiten aus sind, ist die schlechtere Stabilität, die die weicheren Stollen bieten, kaum ein Nachteil. Der höhere Verschleiß und der höhere Preis des Spezialreifens allerdings schon. Das muss dann jeder für sich entscheiden. Bzw. schauen, was die Kollegen aufziehen…

Herrliche zwei Tage Hardenduro und Reifentest in Kroatien

Fazit

Michael Jentl JentlflowKein anderer Teil an der Hardenduro hat sich in den letzten Jahren so weiterentwickelt wie die Reifentechnologie. Und kein anderer Teil ist so entscheidend über Sieg oder Niederlage, Raufkommen oder Hängenbleiben. Kombiniert mit einem weichen Mousse sind technische Abschnitte möglich, wie sie noch vor 10 Jahren undenkbar gewesen wären. Für Extrem Enduro Wettbewerbsteilnehmer führt sowieso kein Weg am Softreifen vorbei. Aber auch für Hobbyfahrer sind die weicheren Gummimischungen eine Offenbarung, da man nach Fahrfehlern leichter wieder anfahren kann. Höhere Anschaffungskosten und geringere Haltbarkeit muss man allerdings in Kauf nehmen. Der neue Dunlop Geomax EN91EX überzeugt mit einer hochwertigen, geschmeidigen, aber robusten Karkasse. Dazu gibt’s eine weiche, aber sehr widerstandsfähige Gummimischung, die Grip aber auch Langlebigkeit bietet. So ist der EX auch für Hobbyfahrer eine gute Wahl, wenn es richtig zur Sache geht.