Als Offroader liebe ich die Optik eines Stoppelreifens. Das Bike schaut einfach mehr nach Adventure aus. Doch was hilft die beste Optik, wenn die Performance nicht passt? Auch wenn man mit Abstrichen auf der Straße leben kann, ist die geringe Haltbarkeit gerade für einen Vielfahrer wie mich als Offroadtrainer ein entscheidendes Kriterium. Also sollte es der Motoz RallZ der auf Adventurebikereifen spezialisierten australischen Reifenmarke sein. Ich scheute weder Kosten noch Mühen und bestellte den Reifen in England. Die lange Lebensdauer sollte den hohen Preis egalisieren. (Satz 290,-) Und das bei super Grip Offroad und richtig geiler Optik! 😊

Stoppelreifen und lange Lebensdauer – wie soll das gehen?

Bei einem Geländereifen muss viel Platz im Profil für Erdreich sein. Je höher dieser „Negativanteil“,  desto mehr Grip ist grundsätzlich in tiefem Geläuf vorhanden. Dazu trägt der Stollenabstand aber auch die Stollenhöhe bei. Bei einem Adventurebike, das ja auch bei höheren Geschwindigkeiten auf der Straße bewegt wird, darf man es hier nicht übertreiben, sonst leidet die Stabilität und der Reifen „schwimmt“ auf der Straße. Und verschleißt schnell. Das hohe Gewicht und die Leistung zehren ebenfalls an der Lebensdauer des Reifens. Der RallZ ist da von der Profilgestaltung schon ziemlich am Limit was Allroundtauglichkeit betrifft. Mit einer Stollenhöhe hinten von 13mm ist er sogar höher als ein KTM EXC Hardenduroreifen! (12mm).
Damit das mit dieser Stollenhöhe und dem offenen Profil mit der Straßenstabilität und der Lebensdauer funktioniert, geht Motoz den Weg über eine harte Gummimischung. Mit Vor- und Nachteilen.

Motoz RallZ – Bester Grip auf weichem Waldboden dank harter Gummimischung

Karkasse und Gummimischung – auf der harten Seite

Der Motoz RallZ hat eine sehr robuste Karkasse. Dadurch ist der schwere Reifen sehr robust und eignet sich hervorragend für steinige Pisten. Der 150/70 18“ Hinterreifen baut auch sehr breit, ebenfalls ideal für feste Untergründe. Die harte Gummimischung der Stoppeln hat allerdings andere Vorzüge. Die Stollen dringen sehr gut in weiche Böden ein und erzeugen dort wunderbar Vortrieb. Speziell wenn die Kanten noch scharf sind. Anders auf harten, glatten Flächen wie etwas nassen Steinen. Da sind weiche Gummimischungen klar im Vorteil. Das gilt leider auch für den Straßeneinsatz.

Offroad Fahreindrücke Motoz RallZ – top auf tiefem Untergrund

Je weicher der Untergrund, umso besser der RallZ. Beim ersten Einsatz am TET Slowenien war der Reifen in den nassen Waldpassagen perfekt. Die hohen harten Stollen haben bergauf wie bergab super Grip erzeugt. Dazu kam damals, dass der neue Reifen scharfe Kanten hatte, die für extra Grip und breites Grinsen sorgten. Jetzt nach 3.250km sind die Kanten rund, aber immer noch sind beachtliche 7mm Profil am Hinterrad vorhanden. Zum Vergleich – der Mitas E-09, wie der RallZ ein 20:80 Reifen, den ich letztes Jahr bei der JentlFlow Westalpentour fuhr, war nach 2.000km zum tauschen – KTM Adventure 790R – Mitas E-09 im Test. Der RallZ wir die 3-fache Lebensdauer eines E-09 liefern, was wirklich toll ist. Mit weniger Stollenhöhe und runden Kanten lässt der Grip im weichen Gelände nach, ist aber noch immer auf gutem Niveau.
Der RallZ Vorderreifen hat mit 10mm ebenfalls eine beachtliche Stollenhöhe und ein offenes geländetaugliches Profil. Die Gummimischung dürfte etwas weicher als hinten sein. Auch der Vorderreifen hat seine Stärken auf weichem Boden. Er punktet mit guter Sicherheit bergab und perfekter Seitenführung.
Wird der Boden härter, hat die harte RallZ Gummimischung Schwächen. Auf festem Schotter bieten die hohen Stollen zwar Sicherheit in Schräglage, Brems- und Beschleunigungsgrip könnten aber besser sein. Wird der Schotter tief ist der RallZ wieder in seinem Element und punktet voll.
Mir ist aufgefallen, dass ich auf Schotterwegen mit diesem Reifen bewusst die tiefen und vermeintlich rutschigen Stellen gesucht habe, da er dort einfach toll funktioniert. Die Schwachstelle hat der Motoz bei Steinpassagen, vor allen wenn sie nass sind. Hier zählt eben die Gummimischung, und die ist eben hart…

Onroad Fahreindrücke Motoz RallZ – sehr speziell

Ein Stoppelreifen hat es auf der Straße sowieso nicht leicht. Zu wenig Gummi liegt am Asphalt auf. Daher läuft er nicht so geschmeidig wie ein Roadreifen. Schlechtere Bremsleistung und hin und wieder ein Rutscher am Hinterrad beim harten Rausbeschleunigen aus Kurven sind weitere Stoppelreifennachteile. Die härtere Gummimischung beim Motoz verschlechtert diese Eigenschaften beträchtlich. Vor allen bei Nässe wird’s gefährlich. Gott sei Dank ist der Vorderreifen weicher, sodass immer das Heck zuerst ausbricht und zu Vorsicht mahnt.
Die breite Bauform der RallZ führt außerdem zu einem äußerst gewöhnungsbedürftigem Handling. Auch nach über 3.000km bin ich auf der Straße mit dem Reifen nicht warm geworden.

Für wen eignet sich der MotzRallZ denn eigentlich?

In Australien oder in Amerika mag es Wüstengebiete geben, wo der RallZ perfekt funktioniert. In Europa macht er nur dann richtig Sinn, wenn man lange Anreisen zum anspruchsvollen Gelände hat. Anreise zum TET Rumänien oder Serbien auf Achse, das geht kilometermäßig mit kaum einem anderen Stoppelreifen.

Vorteile Motoz RallZ

  • Grip auf weichem Boden perfekt
  • Feste robuste Karkasse
  • Richtig lange Lebensdauer für einen Stoppelreifen
  • Geile Offroad Optik

Nachteile Motoz RallZ

  • Offroad bei harten, nassen Bedingungen wenig Grip
  • Straßeneigenschaften v.a. bei Nässe bedenklich
  • Handling auf Asphalt gewöhnungsbedürftig
  • Hoher Preis

Fazit

Michael Jentl JentlflowDer Motoz RallZ ist ein sehr spezieller Reifen. Geile Offroadoptik, lange Lebensdauer und gute Performance auf weichen Offroadböden stehen bescheidenen Straßeneigenschaften und wenig Grip auf harten, rutschigen Untergrund gegenüber. Obwohl ich als Offroadtrainer Vielfahrer bin und die lange Lebensdauer sehr schätze ist mir der Einsatzbereich zu spitz. Die Suche nach dem perfekten Offroad Adventurebikerreifen geht in die nächste Runde! 😊