Ich fahre viel stehend. Wenn ich bei den 3 Stunden Rennen der Enduro Masters Rennserie von richtig schnellen Fahrern überholt werde und Ihnen ein paar Kurven folge, fällt mir auf, dass sie noch viel mehr im stehen fahren als ich. Warum? Stehend kann man das Bike viel stärker bewegen und gezielter belasten, als das sitzend der Fall ist. Außerdem sind die Beine zusätzlicher Stoßdämpfer, die Schläge abfedern und Traktion aufbauen. Wer viel im Stehen fahren kann, spart sich auch das kraftraubende aufstehen/hinsetzten; ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Die Grundvoraussetzung dafür ist die perfekte Stehposition.

Nur wer sich stehend am Bike wohlfühlt kann schnell und vor allem lange schnell  fahren!

One size does not fit everyone

Anders als bei Fahrrädern gibt es bei Motorrädern nur eine Größe. Hat man nicht gerade die Normgröße um die 180cm besteht grundsätzlich Handlungsbedarf was das Fitting betrifft.
An sich geht es um die Berührungspunkte zum Motorrad (Lenker, Fußrasten) und deren Abstände vom Boden und zueinander. Zusammen mit dem Körperschwerpunkt ergibt sich ein Dreieck das in der Größe verändert und gedreht werden kann.

Motorrad-Berührungspunkte und Körperschwerpunkt Dreieck

Generell ist für eine angenehme sportlich aktive Stehposition ein möglichst großer Abstand zwischen Lenker und Fußrasten von Vorteil.

Warum lieben sportliche Mountainbiker lange Bikes?

Beim Mountainbike spricht man vom „Reach“ , dem Abstand Mitte Tretlager zu Mitte Steuerrohr. Dieser Abstand ist in den letzten Jahren bei vielen sportlichen Rädern deutlich länger geworden. Sportliche Piloten lieben einen langen Reach, da man mit so einer Geometrie schön am Bike liegt und gut Druck auf die Räder machen kann.

Warum ist die Stehposition am Adventurebike viel angenehmer als auf der Hardenduro?

Adventuremotorräder sind deutlich länger als Hardenduros. So hat z.B. eine KTM Adventure 790R um ca 5 cm mehr waagrechten Abstand Lenker zu Fußrasten. Daher fahren sich Großenduros sehr entspannt im Stehen. Auch wenn es länger bergauf geht, kommt man gut mit dem Gewicht über den Lenker und kann entspannt lange stehend bergauf fahren.
Bei der Hardenduro ist der Lenker-Rasten Abstand relativ gering. Da das Motorrad um einiges kürzer – sprich handlicher – als eine Adventurebike ist, geht das konstruktionsbedingt auch nicht anders.  Mit den richtigen Anpassungen lässt sich aber einiges an Platz für eine angenehme Stehposition herausholen.

Sitzend wird nur in engen Kurven und beim harten Beschleunigen gefahren.

Anpassung über den Lenker für Deine perfekte Stehposition

Steht man als Fahrer mit langen Beinen am Motorrad kommt schnell der Wunsch nach einem höheren Lenker (oder einer Lenkererhöhungen) auf. Ist das der Fall sollte man sich zuerst fragen, ob man denn überhaupt technisch richtig am Motorrad steht.

Wie schaut die technisch richtige Stehposition aus?

Bei einer aktiven Fahrposition ist der Oberkörper über den Lenker gebeugt, das Becken ist relativ weit hinten und die Füße stehen mit den Ballen auf den Rasten und sind nach innen gedreht. Arme und Beine sind dabei angewinkelt und unterstützen die Stoßdämpfung bei der Arbeit. Dabei wird der Schwerpunkt möglichst tief gehalten, um das Bike bestmöglich zu kontrollieren.

Benötigen großer Rider einen hohen Lenker?

Je größer der Fahrer umso stärker müssen Arme und Beine gebeugt werden, um tief zu bleiben. Ein hoher Lenker erschwert in der Regel das „über den Lenker“ gehen und ist deshalb auch bei großen Fahrern nicht unbedingt ein Muss. Denn damit fällt es schwerer, beim stehend Beschleunigen und Bergauffahren über den Lenker zu gehen, und man braucht mehr Haltekraft.

Daher sollte man – bevor man den Lenker erhöht – zuerst eine tiefere = aktivere Stehposition einnehmen und testen wie man damit zurechtkommt.

Was bewirken die unterschiedlichen Lenkermontagemöglichkeiten?

Die meisten Offroadmotorräder bieten die Möglichkeit den Lenker in verschiedenen Positionen – weiter vorne oder hinten – zu montieren. Aber Achtung, die Position hat auch auf das Fahrverhalten Einfluss. Lenker weiter hinten bedeutet mehr Stabilität bei schnellen Passagen und Vorteile beim Anbremsen und bergab. Allerdings kommt man im Stehen schwerer mit dem Gewicht über den Lenker was das stehende Bergauffahren erschwert. Umgekehrt bewirkt der Lenker sehr weit vorne weniger Stabilität und ein leichtes Heck beim Anbremsen und Bergab. Stehend bergauf geht dafür sehr gut. Auch trailartige Passagen gehen so besser. Generell wird der Motocrosser etwas weiter hinten und der Endurofahrer etwas weiter vorne montieren. Auf jeden Fall lohnt sich ein Testlauf mit verschiedenen Positionen.

Anpassung über die Fußrasten für Deine perfekte Stehposition

Neben dem Lenker sind beim stehend Fahren die Fußrasten die zweite wichtige Anpassmöglichkeit. In der Regel denken große Fahrer zuerst an einen höheren Lenker und nicht an tiefere Rasten. Dabei gibt es am Markt Fußrasten, die tiefer als die originalen sind. Meist ca. um 5 mm, das ist schon spürbar. Noch besser ist es, wenn die Rasten zusätzlich nach hinten versetzt sind, wie etwa die X-Grip Piranhas Footpegs. Das schafft wunderbar Platz für eine tiefe, gebeugte, aktive Stehposition am Motorrad. Außerdem hat man damit bei Auffahrten mehr Druck und damit mehr Traktion am Hinterrad.

Zu beachten ist dabei dass dadurch eine Gewichtsverteilung nach hinten/unten erfolgt und daher Druck am Vorderrad verloren geht. Daher sollte der Lenker zumindest um diese 5 mm tiefer gefahren werden. Oder man spart sich als großer Fahrer die Lenkererhöhung. Bremshebel und eventuell Schalthebel müssen auch an die tieferen Rasten angepasst werden; darauf nicht vergessen. Hochwertige Nachrüstteile bieten außerdem mehr Grip als die Originalen. Vor allen wenn es nass ist ein echter Vorteil.

Fazit

Michael Jentl JentlflowDer Schlüssel zu schnellem Endurofahren liegt in der perfekten Stehposition. Stehend hat man viel mehr Einflußmöglicheiten auf das Fahrverhalten des Motorrades. Um kraftsparend entspannt lange stehend fahren zu können ist oft neben der technisch richtigen Stehposition eine Anpassung der Berührungspunkte zum Motorrad – Lenker und Fußrasten – notwendig. Hier sollte man nicht sparen, denn hat man sein Setup einmal gefunden kann man es auf das nächste Bike mitnehmen. Langlebige Top Komponenten wie Renthal Lenker oder X-Grip Fußrasten machen sich da bezahlt. Eine gescheite Auswahl findet Ihr beim Auner, für mich der kompetenteste Partner auf diesem Gebiet.

Um die perfekte Stehposition geht es natürlich auch bei meinem Enduro Einsteigertraining am 6. April 2020 in Szentgotthard und bei allen meinen Offroadtrainings am Adventurebike.