Nicht mehr lange und das 2020er Turbo Kenevo wird vorgestellt. Ich bin gespannt! Hier nun meine Erfahrungen der letzten 9 Monate mit dem 2019er Spezialized Turbo Kenevo Expert. Über mein erstes  Setup und erste Ausfahrten habe ich schon geschrieben. Lest darüber meine Beiträge Spezialized Turbo Kenvo 2019 – First Setup und Spezialized Turbo Kenevo 2019 – First Ride.

Weelsize – 29×2,6“+ 27,5×2,6“ works best!

Radgrößen und Reifenbreiten beinflussen die Fahreigenschaften enorm. Wie Ihr im Beitrag Spezialized Turbo Kenevo 2019 – Test 29×2,6“ Vorderrad lesen könnt bringt der Umbau Vorteile, aber auch Nachteile; je nach Fahrertyp. Mein aktuelles Setup mit 29×2,6“ vorne und 27,5×2,6“ hinten funktioniert für mich am Besten. Speed und Präzison steht bei mir im Vordergrund. Welches Setup für welchen Fahrertyp passt lest Ihr in meinem Beitrag Spezialized Turbo Kenevo 2019 – Laufradgrößentest.

Letzte Erkenntnis meines Laufradrößenmixes ist folgende: Da sich durch das größere Vorderrad der Gesamtschwerpunkt des Fahrers nach hinten verschiebt geht Druck am Vorderrad verloren. Speziell bei Kurven mit wenig Gefälle kann das Vorderrad schon mal wegschmieren. Ich fahre jetzt mit einem 6cm Vorbau anstatt dem originalen mit 4,5cm. Damit habe ich ein wesentlich bessers Gefühl fürs Vorderrad. Interessanter Weise fällt das Anheben des Vorderrads und das nach hinten Verlagern des Schwerpunkts bei steilen Abfahrten nicht schwerer als mit dem kurzen Vorbau. Das liegt wahrscheinlich an den mit 455mm bei Rahmenhöhe Large eher kurzen Reach und den durch das 29er Vorderrad stark abgeflachten Winkeln. Jedenfalls ist die Balance so ausgezeichnet und ich bleibe vorerst bei diesem Setup.

Fahrwerksetting – First Setting perfekt!

Nach 1.800km und einigen Versuchen mit anderen Settings bin ich bei Gabel und Dämpfer wieder an meinem Ausgangseinstellungen angelangt. Lediglich die Gabel fahre ich jetzt mit etwas weniger Luftdruck, da durch die 29er Vorderrad Geometrie etwas Druck vom Vorderrad genommen wird und der Aufprallwinkel von Hindernissen auf die Gabel flacher ist.

 

RockShox Lyrik RCT3:
Luftdruck: 80PSI
Druckstufe: (LSC)  10 Klicks auf
Zugstufe: 6 Klicks auf

Öhlins TTX Coil
502 lb/in Feder: möglichst wenig vorgespannt
Druckstufe: 14 Klicks auf
Zugstufe: 3 Klicks auf

Motorunterstützung – Tune it!

Wie im Bericht zur ersten Ausfahrt – Spezialized Turbo Kenevo 2019 – First Ride – ist der leise und harmonisch unterstützende Motor ein Hit. Auch nach 1.800km bin ich ein absoluter Brose/Spezialized – Motor Fan.

Ein wichtiger Faktor ist die Einstellung der Unterstützungsstufen mit der Mission Control App. Hier habe ich viel getestet. Viel Unterstützung heißt weniger Höhenmeter das ist klar. Da mein Fokus auf so vielen Trails wie möglich liegt versuche ich mit möglichst wenig Unterstützung auszukommen. Ich starte jede Ausfahrt mit meiner niedrigsten Stufe und steigere dann wenn ich sehe der Heimweg geht sich leicht aus; oder an kurzen Anstiegen. Meine Standard Unterstützungseinstellung ist 20/30/40 Prozent.  Leider gibt es nur 3 Stufen und auch die „S“ Taste an der Kontrolleinheit gibt nur die höchste eingestellte Stufe frei und nicht 100%. Für kurze Momente wären die 100% nicht schlecht; eine Stufe damit zu belegen macht aber nur Sinn wenn man auf steile Uphills Wert legt. Der Akkustand geht so extrem schnell dahin…

Neben der Unterstützung kann man auch die „Spitzenleistung“ einstellen, gut erklärt in diesem Beitrag zur Mission Control App. Geht man mit der Spitzenleistung zurück spart man auch Strom, allerdings verliert man auch Unterstützung wenn es darauf ankommt. Großen Vorteil habe ich hier keinen erkannt, daher fahre ich alle Unterstützungstufen mit 100% Spitzenleistung.

Bei Ausfahrten mit gut trainierten Nicht E-Bikern (hin und wieder traut sich einer 😊) fahre ich 10/20/30 Prozent. 10% entspricht einem Nicht E-Bike wenn man trainiert ist.  Mit 15% hat man schon spürbar Unterstützung und mit 20% hat man ein gutes Rollgefühl. 15/25/35 Prozent sind eine Option wenn man eine längere Ausfahrt vor hat. So bin ich bei Touren in Triol gefahren.

Verschleiß – ein E-Bike Drama!

Generell hat man bei einem E-Bike mehr Verschleiß als bei einem herkömlichen Bike. Der Antrieb ist durch den Motor gefordert und das hohe Gewicht muss gebremst werden. Ich fahre zu 95% im trockenen, keine steilen Rampen, wenig Unterstützung und mit Antriebs-Entlastung beim  Schalten. Und ich pflege mein Bike. Also sind meine Verschleißwerte Minimumwerte, das kann auch dramatisch schneller gehen!

Die Kette habe ich alle 700km getauscht (Check mit der Rohloff Kettenlehre). Wer das verabsäumt darf  dann  gleich auch ein neues Ritzelpaket kaufen. Passiert jedem E-Biker, denn beim nicht E-Bike hält die Kette 3x so lang…
Speziell hinten sind die Bremsbeläge sehr gefordert. Nach ca 450km sind die hinteren Beläge weg. Die Vorderen halten deutlich länger, die habe ich erst bei 1.200km gewechselt.
Die Bremsscheiben haben bisher nicht an Materialstärke verloren.

Technische Probleme beim Kenevo?

..gab es so gut wie keine. Das Kenevo ist ein sehr zuverlässiges Bike.
Lediglich ein gebrochener Vorbaudistanzring (der dünne, unterste) und ein – vom kompetenten Grazer Spezialized Händler RoFa-Sport schnell behobenes  – Knarzgeräusch störten den Bikespass kurzzeitig.

Kenevo Tipps

An sich ist das Bike super durchdacht und userfriendly. Lediglich die Hinterachsenschraube muss man fest anziehen, die wird gerne locker. Und – falls der Motor nicht unterstützt – den Sitz des Ladebuchsendeckels kontrollieren ist ein heißer Tipp 🙂 .

Fazit + Wishlist

Das 2019er Spezialized Turbo Kenevo ist ein Spitzen E-Bike Freerider. Dennoch hat es jetzt einige Jahre am Buckel und die Entwicklungen am E-Bikemarkt gehen rasant weiter. Daher meine Wishlist für das 2020er Modell; ich bin gespannt was in Erfüllung geht.

  • Neue Geometrie: etwas mehr – aber nicht zu übertrieben – „racy“
  • Weniger Gewicht: 22kg wären super (aktuelle 24,4kg) für ein agileres Handling
  • Größere Akkukapazität: 700Wh (aktuell 504Wh) für noch mehr Trails
  • Laufradgrößenmix mit 2,6“ Reifen für gutes Überollverhalten, einen kurzen Hinterbau und Präzision
  • Etwas aggressivere Bremsensabstimmung der Scram Code
  • Größer Versenkbereich der Sattelstütze für mehr Kontrolle im steilen Downhill
  • 5 Unterstützungsstufen um die Powerrange besser zu nutzen