Es ist so weit. Nach 40 KTM’s und zuletzt sechs 790 bzw. 890 Adventures gehe ich jetzt fremd. Eine KTM 950 Adventure mit dem Duke Motor lässt auf sich warten, aber CFMOTO kommt schon 2026 mit dem neuen KTM Motor in der 1000MT-X. Meine aktuelle 2024er KTM 790 Adventure wird bei CFMOTO gebaut und mit der Fertigungsqualität bin ich nach 17.000 km durchaus zufrieden. – KTM 790 Adventure – 790 versus 890 – China versus Austria – Der anfängliche Zweifel hat sich nicht bestätigt und aus meiner Sicht spricht nichts gegen ein Chinabike, speziell nicht gegen eine CFMOTO.
Die CFMOTO 1000MT-X werde ich 2026 parallel zu meiner Rally getunten KTM Adventure 790 fahren. – KTM 790 Adventure – Jentlflow Offroad Tuning 2025 – So habe ich ein Ersatzmotorrad für den Fall der Fälle (der bislang allerdings noch nie eingetreten ist – so viel zum Thema KTM Zuverlässigkeit), kann den neuen 950er Motor fahren und habe gute Themen für neue Blogbeiträge.
Wieso ist gerade die CFMOTO 1000MT-X für mich als KTM Adventure Fahrer interessant?
KTM hat die Fertigung der 790er Adventure ab 2024 zu CFMOTO verlegt. Und CFMOTO hat da sicher nicht weggeschaut bei der Entwicklung der 800er und jetzt 1000er MT-X. Abgesehen vom Motor, der offensichtlich von KTM stammt, ist auch der tiefe Tank übernommen worden und die Rahmengeometrie dürfte ähnlich sein. Auch die mir so wichtige Ergonomie sollte passen. – Adventurebike Offroad Ergonomie Setup – Also im Grunde eine KTM mit anderer Optik, dachte ich mir. Doch es sollte anders kommen, aber dazu später.
CFMOTO 1000MT-X Top Ausstattung zum Sensationspreis
Ein China Bike punktet natürlich über den Preis. In Österreich sind das für 2026 11.999,- . In Anbetracht der Serienausstattung ist die 1000MT-X konkurrenzlos. Brembo Bremsen sogar mit radialer Bremspumpe, KWB Fahrwerk mit 48er Gabel und 230 mm Federweg, Pirelli Scorpion Rally STR Reifen, riesiges 8“ Dash im Rallystyle mit vielen Features, Quickshifter, Griffheizung, Sitzheizung, Tempomat, einstellbarer Lenkungsdämpfer, Reifentemperaturanzeige, Klappspiegel… und nicht zuletzt 5 Jahre Garantie. Nicht zu vergessen den 950er Motor mit 112 PS und 105 Nm. Hier kommt kein anderer Hersteller auch nur annähernd mit, was Preis – Leistung betrifft.
Erster Kontakt mit der CFMOTO 1000MT-X
Im Stand betrachtet wirkt die CF MOTO wuchtiger und breiter als eine KTM Adventure 790/890. Mit 22 Litern ist der Tank auch 2 Liter größer. Zudem auch länger und etwas höher. Dennoch wirkt sie beim Schieben und Rangieren nicht schwer. (Gewicht sollte laut Herstellerangabe ident mit KTM sein) Nimmt man Platz, sitzt man etwas weiter hinten und durch die im Vergleich zu KTM sehr hohe Lenkerposition aufrechter. Die Knie haben auch für große Fahrer genug Platz. Die Positionierung der Fußrasten dürfte ident zur KTM Adventure sein. Also eher hoch und weiter hinten. Hier wurde die Sportlichkeit beibehalten. Steht man auf, hat man in der Länge herrlich viel Platz (wie bei der KTM Adventure), allerdings sind die Lenkerböcke 3 cm und der Lenker ca 1 cm höher als bei der KTM. Dadurch steht man sehr komfortabel aufrecht am Bike. Der Zubehörmarkt für Lenkererhöhungen wird hier nicht zum Zuge kommen.:-) 80 % der Adventurebikefahrer werden darüber glücklich sein; KTM Fahrer, denen die flache KTM-Ergonomie gefällt nicht. Hier wären dann niedere Lenkeraufnahmen gefordert, vielleicht gibts die bald im Zubehörprogramm. Die Lenkerkröpfung ist dafür gelungen, ein guter Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit.
Positiv fällt der viele Platz nach vorne auf. Das ist richtig rallylike mit dem geraden kleinen Windshield weit vorne. Da hat man auch beim aggressivem Beschleunigen im Stehen keine Berührung mit dem Windshield. Hier ist die CF also sehr sportlich.
Ebenfalls top ist die Ständer- und hintere Fußrastenmontage. Im Stehen hat man hier keine Kollision mit den Fersen. Ein Problem bei der KTM Adventure, das die MT-X nicht kennt.
Für den Offroadbetrieb lässt sich der Schalthebel schön hoch einstellen (ident mit der KTM). Beim Fußbremshebel ist Höhe und Spiel leider nicht getrennt einstellbar, das kann man bei den Adventurebikes nur bei KTM. Schade. Dazu ist der Verstellbereich nach oben (mir zu) wenig und durch den Klapphebel kann man auch nicht einfach den Aufsatz erhöhen.
Beim Schrauben fällt die Verwendung von Imbus- statt der inzwischen üblichen Torx Schraubenköpfe auf. Die sind schnell(er) abgenudelt und eigentlich nicht mehr zeitgereicht. Dazu ist das nicht durchgängig, sodaß man viel unterschiedliches Werkzeug braucht. Das Bordwerkzeug ist, wie heut zu Tage üblich, sehr spärlich. Da ist KTM die rühmliche Ausnahme, allerdings kauft man hier auch in einer anderen Preisliga.
Den Händen schmeicheln dafür die originalen verstellbaren Kupplungs- und Bremshebel. Ebenso die gelungenen Griffe. Weicher und griffiger als bei KTM und trotz Heizung auch nicht zu dick. Top.
Auch gefällt das mittige Ventil beim Hinterrad. Damit kann man zur Not einen Schlauch verwenden, wenn die Felge verbogen ist und Luft verliert.
Gut auch das Vorhandensein von Seitenstaufächern unter der hinten Verkleidung links und rechts. Die sind zwar etwas kleiner und mit einer Kunststoff Blindniete gesichert, aber es gibt sie. Viel Stauraum bin ich als KTM Adventure Fahrer gewohnt und ich nutze ihn auch. Durch die die Luftfilterschnorcheln ist bei der MT-X kein Platz für (richtiges) Bordwerkzeug unter der Sitzbank. Das werde ich rallylike links hinter dem robusten CFMOTO Nachrüst Alu Motorschutz unterbringen, da ist gut Platz.
Die ersten Ausfahrten auf der CFMOTO 1000MTX
Zuerst zum Motor
17 PS und 18 NM mehr als meine 790er KTM Adventure, das sollte man doch deutlich spüren. Statt hoher Leistung ist es aber der runde Motorlauf und der extrem leichtgängige Quickshifter mit coolem Zündunterbrechungsgeräusch, der auffällt. Der Motor vermittelt eine hohe Souveränität und hat auch anständig Wumms in der Mitte. Die sehr lange Übersetzung (länger als 790/890 KTM) und die eher zahme Gasannahme (in den aktuell frei gegeben Mappings) vermittelt allerdings wenig KTM typische Spritzigkeit und Spontanität. Sportliche KTM Fahrer werden so nicht glücklich. Reisende dafür umso mehr. Viele wollen die KTM typische Aggressivität nicht und genau die werden mit dem Motor der 1000MT-X perfekt abgeholt. Offroad kommt einem diese weiche Charakteristik entgegen, wenn es technischer wird oder man kein Experte ist. Der Profi wiederum hätte fürs Vorderradanheben und Driften gerne eine schnellere Gasannahme. (Bei KTM kann man da zwischen „Offroad“ (entspricht aktuell der MT-X),„Street“ und „Rally“ wählen). Ich persönlich hoffe, da kommt in Zukunft noch ein schärferes Mapping dazu, das dann über die 3 Traktionskontrollestufen geregelt wird.
Störend ist für mich das fehlende Spiel im Gasgriff. Offroad hat man da gleich einmal unabsichtlich am Gas gedreht, wenn man ein Loch übersieht. Geschmeidiges Gasanlegen ist so auch schwieriger, wenn es ruppig ist. Mancher wird dann die Abstimmung als ruckeling empfinden, obwohl die das eigentlich nicht ist. Mit dem sanften Mapping ist fehlendes Gasgriffspiel aktuell zwar kein großes Problem, dennoch hoffe ich hier auf Nachbesserung.
In Summe ist der neue Motor ein gelungener Reiseenduro Motor mit anständig Power ab der Mitte, sensationeller Laufruhe und perfektem Quikshifter. Allerdings aktuell ohne die KTM typische Spritzigkeit. Wie viel hier eine kürzere Übersetzung bringt werde ich noch testen. Ansonsten bleibt abzuwarten, ob bei den Mappings nachgeschärft wird, damit auch die sportlichen KTM Fahrer abgeholt werden.
Elektronik vor dem Update
Das große 8“ Dash ist natürlich ein Traum. Fährt schnell hoch, bietet sehr viele Möglichkeiten inkl. Apple Carplay oder Navigation über die CFMOTO App. Meine MT-X hat noch nicht die richtige Software, die übrigens over the air vom Handy runtergelanden werde kann, oben. Daher sind auch die Fahrmodi Rain, Standard, Offroad und All-Terrain noch nicht in der endgültigen Version verfügbar. Vor allen bei der Traktionskontrolle wird hier noch nachgebessert und ein Master Mode soll kommen, der die letzten Einstellungen speichert. Der Einfachheit halber bin ich Offroad immer im All Terrain Mode gefahren, bei dem bei voller Leistung die Traktionskontrolle weggeschaltet werden kann und das ABS komplett deaktiviert ist. Durch die zahme Gasannahme geht das auch trotz 117 PS problemlos ohne Traktionskontrolle. Meine 790er KTM mit 95 PS fährt sich ohne Schlupfregelung mit Gasannahme „Street“ im Rallymode gar nicht gut. Das Hinterad will beim Gasanlegen auf Schotter aprupt ausbrechen, hat man die Traktionskontrolle deaktiviert. Das macht wirklich nur im Tiefsand Sinn. Die CFMOTO geht geschmeidig ans Gas und baut schön Traktion auf, ähnlich dem „Offroad“ Modus bei der KTM. – KTM 790/890 Adventure – Elektronik Assistenzsysteme in der Praxis –
Im All Terrain mode zeigt sich auch die gute Dosierbarkeit der Brembo Bremsanlage. Absolut kein Problem ohne ABS vorne, auch wenn es auf Schotter rutschiger wird. Bei der KTM kann man das ABS vorne nicht deaktivieren, was bei gerölligen Abfahrten ein echter Nachteil ist. Ansonsten ist die J.Juan Bremse der KTM sowohl auf der Straße wie auch im Gelände top. Natürlich hat man auf Asphalt nicht den wilden Initialbiss, aber die Bremsleistung passt. Die Brembo Bremse auf der MT-X legt hier noch einen drauf. Etwas mehr Bremsleistung und super dosierbar. Top
Fahreigenschaften im ersten Test
Wie beim Motor ist es die Souveränität, die sofort auffällt. Bei gemessen gleichen Radstand fährt sich die MT-X ruhiger und gelassener als eine KTM Adventure 890 oder Husqvarna Norden. Auffällig die höhere Last am Vorderrad, die das Bike super stabil und willig in den Radius fallen lässt. Am Schotter bedeutet das viel Grip am Vorderrad. Allerdings kostet das etwas Agilität und das Vorderradanheben fällt schwerer.
Ich kenne so gut wie alle Adventurebikes am Markt und bin sie auch bei meinen JentlFlow Offroadtrainings gefahren. Mich erinnert die 1000MT-X am meisten an eine KTM 1290/1390 Adventure R. Wie bei der großen KTM hat man bei der CFMOTO durch den größeren (etwas länger, breiter und höher) Tank viel Motorrad vor einem. Daher eigen sich beide Motorräder eher für große Fahrer. Beide sind sehr souverän und haben einen druckvollen Motor. Sicher geht bei der großen KTM oben raus mehr, aber das kostet halt auch. Durch die Tankkonstruktion fühlt sich die MT-X allerdings deutlich leichter an als die große KTM. Was sie auch ist. Beide Motorräder haben mehr Gewicht am Vorderrad, was man beim Fahren spürt. Die KTM durch den V-Motor, bei der CFMOTO (wahrscheinlich, das ist noch zu klären) durch die weiche Gabelabstimmung im ersten Drittel.
Wer glaubt, die CFMOTO 1000 MT-X ist eine 890er KTM im neuen Kleid und größerem Motor irrt. Auf der Mittelklasse KTM sitzt man aktiver, sportlicher weiter vorne. Alles wirkt kompakter. Die vorne tiefe Sitz- und Stehposition ist sehr fahraktiv, ebenso wie Motor- und Fahrwerksabstimmung. Da ist die MT-X ganz anders. Sie ist kein Rally-Adventurebike, sondern eine Reisenduro im klassischen Stil. Sportlicher als viele Mitwerber, aber bei weitem nicht so wie eine 890er KTM. Auch die Husqvarna Norden ist von der Sitzposition her kompakter, hat den agileren Motor und ist sportlicher ausgelegt.
Der Vergleich zur 790/890er Adventure kommt in einem eigenen Blog noch detaillierter. Ich wechsle ja immer zwischen meinen beiden Bikes und teste auch immer wieder andere Motorräder zum Gegencheck.
Das KWB Fahrwerk passt in der Abstimmung mit einem komfortablen weichen ersten Federwegsdrittel gut zur Auslegung der MT-X. Hier kommt auch ein eigener Blogbeitrag mit allen Details und dem JentlFlow Setup.
Die CFMOTO 1000MT-X Testfahrer bei den JentlFlow Offroadtrainings bestätigten meine Eindrücke.
Service und Ersatzteilversorgung
Händlernetz, Service und Ersatzteilversorgung ist für die meisten von uns essenziell. Und gerade hier war bzw. ist der Pferdefuß der chinesischen Motorradmarken. Anders bei CFMOTO. Seit 2025 macht die Fa. Leeb in Kärnten den Generalimport für Österreich und Deutschland. Bekannt für Service und gute Ersatzteilverfügung braucht man sich hier künftig wohl keine Sorgen machen. Auch das Händlernetz wird aufgrund der hohen Begehrlichkeit in den nächsten Jahren stark wachsen. Dazu gibts 5 Jahre oder 40.000 km Garantie. Welcher Hersteller bietet das sonst an?
Fazit
Die neue CFMOTO 1000MT-X wird den Reisenduromarkt aufmischen, das ist klar. So viel Adventurebike für so wenig Geld gab es noch nie. Billige Chinaqualität war gestern. Alles macht einen ordentlichen Eindruck und ist gut verarbeitet. Dazu Anbauteile von bekannten Topmarken wie KWB, Brembo oder Pirelli. In Teilbereichen gilt es noch nachzuarbeiten, aber bei dem Tempo, das die chinesischen Marken derzeit drauf haben, wird das wohl auch schnell erledigt sein.
Von der Auslegung her ist die 1000MT-X keine 890er KTM mit anderem Design und etwas größerem Motor. Fußrastenpositionierung, Lenkerkröpfung, langer Vorbau mit niedrigem Windshield vermitteln zwar Sportlichkeit, die meisten Dinge sind aber eher gemäßigter ausgelegt. Dazu zählt der souveräne Motor mit sanfter Gasannahme und das komfortabel abgestimmte Fahrwerk. Oder die sehr hohe Lenkerposition. Die Ergonomie mit größerem Tank ist für mich näher an der großen 1290/1390er KTM. Allerdings mit eindeutigen Handlingsvorteilen für die CFMOTO. Auch die souveränen Fahreigenschaften erinnern an die große KTM Adventure. Aber auch das ist ja bei Leibe kein Nachteil ….









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