Reifen ist nicht gleich Reifen

Ein Riesenthema beim Motorrad sind die Reifen. Gefordert ist Grip im Trockenen und im Nassen, Top Handling und Geradeauslauf, natürlich bei guter Laufleistung. Bei Adventuremotorrädern kommt dazu dass diese ja auf der Straße und im Gelände bewegt werden können und da die Anforderungen naturgemäß ziemlich unterschiedlich sind. Bei der KTM Super Adventure 1290R um so mehr, da Ihr Spektrum so breit wie bei keinem anderen Motorrad ist. Von Rennstrecke bis leichtes Enduro ist alles möglich, die richtigen Reifen vorausgesetzt.

Riderprofile

Vor der Reifenwahl sollte man sich folgende Fragen stellen:

  • Wieviel fahre ich wirklich Offroad?
  • Wo fahre ich Offroad? (Schotter oder auch feuchtere Böden)
  • Wie schnell fahre ich Off – bzw. Onroad?

Bei Reifen für Adventurebikes spricht man oft über Prozentsätze On Road : Off Road. Manchmal werden diese auch vom Hersteller angegeben. Damit hat man einen guten Anhaltspunkt den Einsatzbereich betreffend. Einen Adventure Reifen zu finden, der zu 100% passt ist nahezu ausgeschlossen. Außer man fährt nur Straße und gemütlich auf Schotterstraßen. Dann passt ein 90:10 (On-:Offroad) Reifen perfekt. Oder man lebt im australischen Outback und fährt nahezu 100% Off Road mit einem 20:80 Reifen. Bei einer Reifenentscheidung handelt sich in der Regel um einen Kompromiss, den man finden muss. Hier meine Erfahrungen nach 2 Jahren mit der KTM Super Adventure.

KTM Adventure 1290R im Schnee

Conintental Trail Attack

Der serienmäßig montierte Conitental Trail Attack2 ist im Grunde ein Straßenreifen mit hohen Laufleistung. Auf der Straße vermittelt er ein sehr gutes Gefühl auch bei großer Schräglage. Beschleunigungs- und Bremstraktion sind ausgezeichnet, was bei 160PS und 240kg auch notwendig ist, wenn man härter fährt. Offroad schaut es bei so einem Reifen naturgemäß anders aus. Ohne richtiges Stollenprofil sollte man auf Schotter bleiben, das funktioniert bei angepasster Fahrweise recht gut. Geht man es sportlicher an, gibt der Vorderreifen beim Einlenken auf Schotter kein Vertrauen und neigt stark zum Wegrutschen. Bei dieser straßenorientierten Profilgestaltung kann man auch nicht mehr erwarten. Jedenfalls kann man mit dem Continental Trail Attack2 das Offroadpotenzial der KTM Adventure 1290R nicht annähernd ausschöpfen. Logisch für einen 90:10 Reifen.

Michelin Anakee Wild

Nach den ersten 2.000km mit den originalen Continental Trail Attack2 habe ich einen deutlich mehr offroadtauglichen Reifen – den Michelin Anakee Wild – aufgezogen. Für die Optik der 1290R ein riesen Gewinn! 😎 Aber wie schaut es mit der Performance aus? Offroad war die Unsicherheit beim Einlenken weg, der Grip beim Bremsen und Beschleunigen am Schotter um Welten besser. Kein Wunder, dafür ist er ja gebaut. Die Frage ist, wie funktioniert er auf der Straße und wie schaut es mit der Haltbarkeit aus? Ich finde den Michelin Anakee Wild Vorderreifen wunderbar. Er funktioniert auch auf der Straße hervorragend (auch bei Nässe), und die Haltbarkeit ist wirklich gut. Ich bin ca 10.000km damit gefahren. Beim Hintereifen schaut das anders aus. Aus engen Kehren heraus und beim harten Beschleunigen hat er mit den 160PS der 1290er Adventure zu kämpfen. Ohne MTC (Traktionskontrolle) dreht’s dann manchmal sogar im 3. Gang durch. Auch beim Hineinbremsen in enge Ecken „schwimmt“ der Anakee Wild ziemlich herum. Das das alles auf die Haltbarkeit geht ist klar. Bei ca 3.000km war er abgefahren. Einen Vergleich zu anderen 50:50 Reifen wie den Continental TKC 80 habe ich leider (noch) nicht.

Pirelli Scorpion Rally STR

Der Conitental Trail Attack2 war mit zu sehr Straßenreifen. Der Michelin Anakee Wild hat mich vorne als Allroundreifen überzeugt aber war hinten mit den 160PS und 240kg der Super Adventure R überfordert. Ich habe dann hinten den 2018 neu vorgestellten Pirelli Scorpion Rally STR probiert. Schaut zwar nicht so scharf aus wie der Anakee Wild aber wie funktioniert er? Die Profilgestaltung – seitlich relativ geschlossen und mittig sehr offen mit großen Stollen – ist so unüblich (z.B. konträr zum bekannten Heidenau K60 Scout).  Offroad bietet das Profil guten Grip geradeaus sowie beim Bremsen. Damit sind Offroad Auf- und Abfahrten möglich. Gibt man in Schräglage Gas, geht er durch die geschlossene Flanke gut in den Drift. Ich war positiv überrascht. Auf der Straße hat er nicht die Schwächen vom Michelin Anakee Wild. Kein durchdrehendes und rutschendes Hinterrad, sondern viel Grip und Vertrauen. Auch bei Nässe funktioniert er hervorragend. Überrascht hat mich auch die Haltbarkeit. Ca 5.000km habe ich jetzt oben und er ist noch gut fahrbar. Am Vorderrad bin ich den Pirelli Scorpion Rally  STR nicht gefahren. Da das Profil auf an den Flanken recht geschlossen ist, wir er wahrscheinlich zwischen Continental Trail Attack2 und Michelin Anakee Wild liegen; vermute ich. Am Hinterrad ist der Pirelli Scoropion Rally STR jedenfalls eine echte Option für die 1290er Super Adventure. 70:30 On:Offroad würde ich ihn einstufen.

Fazit

Die richtige Reifenwahl ist bei keiner Motorradkategorie so entscheidend wie bei Adventuremotorrädern. Wem Offroad wichtig ist, aber auch viel auf der Straße unterwegs ist, sollte vorne einen 50:50 und hinten einen 70:30 Reifen montieren. Die Kombination Michelin Anakee Wild vorne und Pirelli Scorpion Rally STR hinten kann ich jedenfalls für die 1290R sehr empfehlen. Gute On- UND Offroad Performance bei guter Haltbarkeit.