Neben der auf stehendes Fahren ausgelegten Ergonomie und robusten Anbauteilen ist es die Federung, die ein Adventurebike erst offroadtauglich macht. Größer dimensionierte Federelemente mit mehr Federweg sind der Schlüssel zu Traktion, Komfort und höherer Geschwindigkeit im Gelände.
Im Unterschied zum Straßenbetrieb ist Offroad das Fahrwerk mehr gefordert als der Motor. Dementsprechend ist mehr Aufmerksamkeit für Gabel und Stoßdämpfer nötig. Und zwar nicht erst dann, wenn Gabel oder Stoßdämpfer Öl verliert. Jährlichen Motorölwechsel ist man gewohnt, das Fahrwerk wird im Serviceheft nicht einmal erwähnt.
Als offroadaffiner Adventurebiker sollten – Adventurebike Fahrwerksabstimmung – und Pflege selbstverständlich sein. Ich selbst komme vom Offroadsport, da sind diese Themen an der Tagesordnung.
Hier die fünf JentlFlow Tipps, um Funktion und Lebensdauer Eurer Adventurbike Suspension zu verbessern:
Tipp 1: Gabelstandrohre und Dämpferschaft sauber halten
Rinnt die Gabel, liegt das immer daran, dass Schmutz an den Staubkappen (die von außen sichtbare „Dichtung“ zwischen Gabelstand- und Tauchrohr) vorbei an die Gabeldichtringe (=Gabelsimmerringe) gelangt ist. Durch die Bewegung der Gabel wurden dann die Dichtringe und im schlimmsten Fall auch die Standrohre beschädigt. Das kann theoretisch schon bei der ersten Ausfahrt passieren und ist daher nur in Ausnahmefällen (wenn bekannterweise eine schadhafte Dichtung verbaut wurde) ein Garantiefall.
Besonders gefährlich ist lehmiger Schmutz, der während einer Pause auf den Standrohren hart wird. Beim nächsten Losfahren können dann die Staubkappen möglicherweise die harte Kruste nicht vollständig abstreifen und schon ist Schmutz zu den Dichtringen durchgedrungen.
KTM/Husqvarnafahrer sollten den roten Kunststoff-Abstreifring in jeder Pause nach oben schieben und damit die Standrohre säubern. Ansonsten ein Tuch verwenden. Das Reinigen der Standrohre gehört zu meiner Routine nach und auch während jeder Ausfahrt.
Das Federbein ist in der Regel dem Schmutzbeschuss nicht so ausgesetzt, daher reicht hier ein Check und gelegentliches Abwischen des Dämpferkolbens.
Tipp 2: Schmutz unter den Staubkappen entfernen
Wer öfter bei Staub oder gatschigen Bedingungen unterwegs ist, sollte hin und wieder die Staubkappen mit einem (sehr kleinen) Schraubenzieher vorsichtig raushebeln und darunter gründlich reinigen. Gut geht das mit dem dickeren Hacken des Seal Doktors, einem Gabel Reinigungstool. (Siehe Tipp 3) Sowie mit Universal Ölspray und Reinigungspapier. Staubkappen raufdrücken und das wars. Mache ich einmal im Monat.
Tipp 3: Wenn die Gabel rinnt, kann der Seal Doktor helfen
Auch bei bester Pflege kann ein Staubkorn jederzeit zu den Gabelsimmeringen durchdringen, wenn es blöd hergeht. Und schon rinnt die Gabel. Hat man das gleich erkannt und es ist noch zu keiner Beschädigung gekommen, kann man mit dem Seal Doktor eine Schnellreparatur versuchen. Dazu die Staubkappen entfernen, vorsichtig den Kunststoffhacken (Achtung, den dünnen Oil Seal Haken verwenden) zwischen Standrohr und Gabeldichtrohr schieben und einmal rund um die Gabel führen. Mit etwas Glück entfernt man damit das Staubkorn bzw. den Schmutz und die Gabel dichtet wieder. Das hat bei mir schon öfter funktioniert, daher habe ich den Seal Doktor immer dabei.
Gibt es am Federbeinshaft einen Ölfilm, hilft allerdings nur ein Service.
Tipp 4: Richtige Gabel Montage gegen Verspannungen
Die Federgabel kann nur gut arbeiten, wenn sie ohne Verspannungen verschraubt ist. Ist das Vorderrad ausgebaut, muss sich die Achse ganz leicht durch die Aufnahmen schieben lassen. Ist das nicht der Fall, auf einer Seite die Gabelbrückenschrauben lösen und den Gabelholm nach oben/unten bewegen, bis sich die Achse leicht durchschieben lässt. Die Nut Markierungen oben über der oberen Gabelbrücke sind nur zur Groborientierung.
Auch bei der Vorderradmontage kann es zu Verspannungen der Gabelholme kommen. Hier bei KTM/Husqvarna immer am Schluss noch die 2 Schrauben der Gabelfaust rechts lockern, ein paar Mal kräftig einfedern und wieder festziehen. So kann sich die Gabel auf der Achse ausrichten und verkanntet nicht.
Außerdem: Nach jedem Sturz die Schrauben der unteren Gabelbrücke lockern und einige Male fest durchfedern. Eventuell auch mit einem Gummihammer auf die untere Brücke klopfen, damit sich Verspannungen lösen. Dann wieder mit dem richtigen Drehmoment anziehen. Bei der KTM 790/890 Adventure sind das bei der unteren Gabelbrücke nur 12 Nm. Die Standrohre gleiten hier in die Tauchrohre, daher ist hier Vorsicht geboten. Ohne Drehmomentschlüssel hat man da schnell zu fest angezogen.
Tipp 5: Rechzeitig zum Service
Das Fahrwerk erst zum Service bringen, wenn Gabel oder Stoßdämper Öl verlieren, ist nicht die richtige Herangehensweise. Wie beim Motor gibt es auch in den Fahrwerkkomponenten Abrieb, der das Öl verschmutzt und die Performance beeinträchtigt. Bei jedem Einfedern werden die Gabelfedern komprimiert und reiben am Inneren der Tauchrohre. Der Abrieb verschmutzt die Shimps, die für die Dämpfungskontrolle zuständig sind. Das Federbein wiederum hat wenig Ölvolumen und ist der Hitze des Kats ausgesetzt. Auch hier kommt es zu Verunreinigungen und Beeinträchtigung der Dämpfungseigenschaften. Im schlimmsten Fall werden durch die Verunreinigungen sogar Teile im Inneren beschädigt.
Die Verschlechterung der Federungseigenschaften fällt oft gar nicht so auf, da der Verschleiß langsam vonstatten geht und man sich daran gewöhnt. Nach dem Service kommt dann der aha Moment.
Beim Motoröl ist das Jahresservice Routine, bzw. es läuft die Garantie sonst nicht weiter. Bei Gabel und Stoßdämpfer ist das Wartungsintervall sehr von der jeweiligen Nutzung abhängig. Je mehr Offroad und je mehr hartes Gelände umso öfter.
Ein Adventurebike ist fast doppelt so schwer wie eine leichte Sportenduro, dennoch sind die Fahrwerkskomponenten im besten Fall (KTM 790/890 Adventure R) gleich dimensioniert. Klar, dass der Verschleiß da hoch ist, wenn man intensiver Offroad fährt. Ich fahre im Jentlflow Offroadtrainingseinsatz ca 17.000 km im Jahr, vorwiegend Schotter und Offroad, einige Rallytrainings, am TET, die Bosnia Rally und die JentlFlow Westalpentouren. Da ist ein Service im Winter und ein Service während der Saison nötig.
Wer zwar nicht ganz so viel, aber doch die Bosnia Rally und einige Trainings fährt, sollte jedenfalls ein Service jährlich machen. Ohne Rallyeinsatz reicht es auch alle zwei Jahre. Wer nicht so viel abseits der Straße fährt, sollte dennoch spätestens nach drei Jahren ein Fahrwerksservice einplanen.
Hans Steinmassl von Extracross, JentlFlow Bosniarallyteammitglied, zeigt in diesem Video was die Fahrwerkskomponenten im Adventurebike leisten müssen.
Nach der Instandsetzung geht die Federung geschmeidiger und die Performance ist durch das neue Öl besser. Dazu weniger Hitzeentwicklung und kein Nachlassen der Dämpfung. Außerdem, wenn gewünscht, ist die Dämpfung an Fahrerwünsche angepasst.
Wohin mit dem Fahrwerksservice?
Motorrad Werkstätten sind in der Regel nicht auf Fahrwerksservice eingerichtet. Wenn überhaupt, wird meist nur ein einfacher Gabelservice ohne Komplettzerlegung und Reinigung gemacht. Viele schicken die Teile auch zum Spezialisten weiter. Da ist es gescheiter, gleich zum Fahrwerksprofi zu gehen.
Hier die Tipps der JentFlow Fahrer:
- Baden Württemberg: FK Motorsport
- Baden Württemberg: Winkler Suspension
- Bei Köln: ORS Suspension
- Nördlich von Münster: Hertrampf Racing GmbH
- Nördlich von Salzburg, Fridolfing: Extracross
- Salzburg: Haslacher Suspension
- Oberösterreich, Senftenbach: Math Suspension
- Oberösterreich, Aigen-Schlägl: Motorradtechnik Klaus Aumüller
- Niederösterreich, Pottenstein: KTM Schruf
- Kärnten, Klagenfurt: WiRo Motorradtechnik
- Niederösterreich, Lunz am See: Bachner Sportmotorräder
- Niederösterreich, Neunkirchen: Zweirad Damianik
- Niederösterreich, Unterstinkenbrunn: Zweirad Kaudela Motorsport
- Vorarlberg, Nofels: Martin Gopp Tuning
- Südsteiermark, Heimschuh: Moto Pitkan Kandlhofer KG
Bonus Tipp für KTM 790/890R Adventure Fahrer: Innerer Gabelschutz der Rally
Für die KTM 890 Adventure R Rally gibt es einen Zusatzschutz für die Innenseite der Standrohre, der auch bei den „R“ Modellen passt. Dieses Kunststoffteil wird mit den vorderen Gabelschutz mitmontiert und schützt die Innenseite der Standrohre vor Steinschlägen. Im Geröll kann es schon vorkommen, das vom eigenen Vorderrad ein Stein hochgeschleudert wird. Ein Cut in den Standrohren kann die Gabeldichtringe beschädigen, was zu einer rinnenden Gabel führen kann. Artikelnummer A61001994044 Gabelschutzset EUR 49,08
Fazit
Reifen/Räder und Fahrwerk sind Offroad die am meisten belastete Teile am Motorrad. Entsprechend sollte man Gabel und Stoßdämpfer auch häufiger pflegen und warten. Das wichtigste ist es, die Standrohre der Gabel schön sauber zu halten. Und mit dem Service nicht zulange zuzuwarten. So ist die Wahrscheinlichkeit eines Ölverlustes am geringsten und die Federungsperformance am höchsten.




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