Nach einigen Testfahrten mit dem Light E-Bike von Spezialized – Spezialized Turbo SL Comp 2024 – sind Light E-Bikes die Zukunft? – jetzt das Mondraker Neat Testrad vom Rofa Sport Graz im JentlFlow Test.

Light E- Bikes – nicht für jedermann

Inzwischen habe ich einige Erfahrung mit den Lightkonzepten gemacht. Und das schon 2020: – Spezialized Levo SL 2020 E-Bike Light Test – Schwächerer Motor, Rahmen mit integrierter, kleiner Batterie und Trailbike Ausrichtung – und schon sind 5 Kilo eingespart. Dadurch fährt sich das Bike viel näher am Biobike. Bergab heißt das spielerischer und agiler, bergauf mühevoller. Die Ausfahrten sind langsamer, kürzer und im Uphill bleibt man eher auf dem einfacherem Weg, um Akku und eigene Kraft zu sparen. Das schränkt (mich zu sehr) ein. Je leichter und fitter man ist, umso weniger. Dafür wird man bergab belohnt, sofern es nicht nur gerade aus geht. Und sofern man noch Körner hat. Je aktiver und fitter der Fahrer ist, umso mehr. In Summe bietet aber das Full Power E-Bike für die meisten E-Biker einfach mehr Möglichkeiten. Was auch die Verkaufszahlen belegen.

Light E-Bikes zielen auf eine kleine Zielgruppe ab!

Mondraker Neat 

Das Light E-Bike von Mondraker gibt es seit 2024 und auch das Testbike ist ein 2024er Modell. Rahmen und Motor wurden 2026 gleich weiterverwendet, lediglich die Ausstattung ändert sich Jahr für Jahr. Highlight ist der hochwertige Stealth Carbonrahmen, der zusammen mit dem leichten TQ Motor Gewichte zwischen 18 und 19 kg je nach Modell ermöglicht. Dabei immer Federweg 160 mm vorne, 150 mm hinten und 29“ Laufräder. Konzeptbedingt sind die Komponenten eher trail- als endurolastig, das Gewicht bleibt immer im Fokus.
Sensationell die Optik mit dem schlanken Unterrohr (im Vergleich zum „fetten“ Crafty). Die Proportionen passen hier perfekt, auch besser als beim Biobike Mondraker Foxy.

Der Motor im Mondraker Neat – TQ HPR 50

Meine erste Ausfahrt mit dem kleinen TQ Motor. Hier in der 50 Nm Version; inzwischen gibt es ihn auch mit 60 Nm. Was in zahlreichen Tests gesagt/geschieben wurde, kann ich nur bestätigen. Unspektakuläre, natürliche Unterstützung und – im Gegensatz zum Spezialized SL – wirklich lautlos. Leistungsmäßig würde ich den TQ trotz gleicher Drehmomentwerte stärker einschätzen. Vor allen geht ihm bergauf nicht ganz so schnell die Luft aus, wenn die Steigung zunimmt. Dennoch, auch hier ist man schnell am Leistungslimit und dicke Oberschenkel sind gefragt. Eine schärfere Übersetzung würde helfen. Bei gemäßigten Steigungen ist die Motorpower auch in mittlerer Unterstützung wirklich gut. Da geht nix ab. Ab besten fährt sich der Motor im mittleren Modus mit wenig Unterstützung, dafür aber voller Motorleistung. (Eingestellt in der TQ App) So bekommt man bei mehr Eigenleistung auch mehr Motorleistung, was sich „natürlicher“ anfühlt.

Mit wenig Unterstützung, aber hoher Leistung fährt sich der TQ Motor dynamisch

Der Vergleich zum Crafty: Hier ist der Bosch Performance CX5 mit 100 Nm Drehmoment verbaut. – Mondraker Crafty R – Teil 1: Der Motor – Bosch CX5 – Klar das der viel stärker unterstützt. Fakt ist aber auch, das man (zumindest ich) beim Full-Powermotor größtenteils mit 20-40 % Unterstützung fährt. Und hier ist die Leistung des TQ’s vergleichbar, solange es nicht steil bergauf geht. Der Bosch kann allerdings bei entsprechenden Modi „dynamisch“, das heißt bei mehr Pedaldruck kräftig zulegen und läuft auch nach, was in technischen Passagen hilft. Das kann der TQ nicht. Biobikemäßig eben. Richtig steile Uphills sind beim TQ nicht drinnen, beim Bosch nützt man hier die starken Unterstützungsstufen. Gut darauf könnte man verzichten, ich möchte es nicht. Leider muss man sich aber auch bei der Reichweite/höhe einschränken. Der Akku ist nun mal der größte Gewichtstreiber. Der kleine 360 Wh Akku im Neat schafft gerade die Hälfte des 800 Wh Bosch Speichers im Crafty. Bei mir waren das 1.000 Hm im Vergleich zu 2.000 Hm beim Bosch. Der Preis sind allerdings ca. 5 Kilo Mehrgewicht. Uff.

Inzwischen gibt es den TQ auch mit einem 580 Wh Akku. Reichweite erhöhen kann auch mit dem optionalen 160 Wh Range Extender (900 gr) , der dann im Flaschenhalter steckt (Was auf Kosten der Trinkflasche geht und hässlich aussieht). Ich bin damit auch gerade mal 1.300 Höhenmeter bzw. 30 km weit gekommen. Und ja, man merkt die +900 Gramm beim Handling, zumal das Gewicht auch recht hoch am Bike platziert ist.

Mit einem Light Motor bin ich ständig im Energiespar-Modus unterwegs, um doch relativ viele Abfahrten zu schaffen. Steile technische Anstiege lasse ich aus. Bei den letzten Abfahrten bin ich durch höhere Eigenleistung auch nicht so frisch und kann das leichte Handling nicht mehr nutzen. Unter 10 % Akku wird dann auch noch Leistung reduziert was den Tourabschluss immer hart macht, wenn man wie ich weiter oben wohnt. Erinnert mich an Biobikezeiten. Aber ja – Light E-Bike Fahrer wollen ja Biobike Feeling. 😉

Geometrie Mondraker Neat – Die Sache mit dem „langen“ Reach

Auffällig beim Neat in Größe L der sehr lange Reach von 495 mm. (Reach = horizontaler Abstand zwischen Tretlager und Steuersatz, relevant für die Stehposition) Üblich sind hier Werte um 480 mm bei Rahmengröße L. Dadurch ist der Hauptrahmen sehr lang und man hat viel Gewicht am Vorderrad. Daran ändert auch der kurze 30 mm Vorbau nicht viel. Daraus resultiert ein sehr sicheres Gefühl in offenen Kurven und stabiles Fahrverhalten auch bei hohem Tempo. Die 450 mm Kettenstreben passen da recht gut. Geht es steiler bergab oder wird es technischer, erschwert der lange Reach allerdings ein Entlasten bzw. Anheben des Vorderrads. Das geht bei meinem Crafty trotz 5 mm längeren Kettenstreben deutlich einfacher. Reach hier 476 mm (in Low Einstellung). Und zwar in der Größe M/L. Genau, beim Crafty gibt es eine Zwischengröße die den Reach Sweetspot vieler (L-) Biker um die 480 mm trifft. Beim Neat fehlt diese (noch). Das Neat in M hat mit 470 mm gleich 25 mm weniger Reach und ist mir ziemlich sicher zu kurz. Dazu muss man sagen, dass ich bei 184 cm Körpergröße relativ lange Beine und kurze Arme habe, wodurch ich mir mit einem zu langem Reach schwerer tue.

Abgesehen davon fährt sich das Neat traumhaft. Wie beim Crafty – Mondraker Crafty R – Teil 2: Das Bike – gibt die Forward Geometry Sicherheit und der Zero Suspension Hinterbau sorgt für Komfort, Traktion und Gegenhalt. Durch das niedrige Gewicht ist das Bike sehr handlich und das Umsetzten und Positionieren in technischen Sektionen fällt leichter. Das macht schon Spass.

Fazit

Wer sich für das Konzept Light-Bike begeistern kann, trifft mit dem Mondraker Neat eine gute Wahl. Der extrem kleine, leichte und lautlose TQ Motor passt hier perfekt, um möglichst nahe am Biobike zu bleiben. Dazu ein wunderschöner Voll-Carbonrahmen mit bewährtem Zero Suspension Hinterbau und Forward Geometry. Einzig der große Sprung in den Reachwerten von 470 mm (M) auf 495 mm (L) verwundert bzw. lässt den Wunsch nach einer Zwischengröße wie beim Crafty aufkommen. Mit dem kleinen integrierten 360Wh Akku sind Gewichte zwischen 18 und 19 kg und Reichhöhen von 1.000 Höhenmeter drinnen. Natürlich mit viel weniger Motorunterstützung als beim Full Power E-Bike möglich ist. Bis zu 2.000 Hm und steile technische Anstiege gehen hier dank doppelt so hohem Drehmoment. Allerdings bei gut 24 kg Gewicht. Hier sollte man beide Kategorien vor einer Kaufentscheidung gefahren sein. Rofa Sport hat die Testbikes. Für mich ist klar: Die Zukunft liegt in der Verschmelzung beider Kategorien. Volle Leistung/Reichhöhe bei relativ niedrigem Gewicht. 21 – 22 kg mit Powermotor und großem integriertem Akku. Und hinten ein 27,5″ Hinterrad, zumindest optional. Mondraker bitte liefern.