Nach dem Blogbeitrag – Mondraker Crafty R – Teil 1: Der Motor – Bosch CX5 –  jetzt der Bericht zum Bike. Im letzten Jahr hat sich bei den Motorsystemen doch einiges getan. Mehr Leistung, mehr Drehmoment, nutzbarer Nachlauf, größere Batterien und dadurch je nach Hersteller unterschiedliches Mehrgewicht. Dadurch werden die Bergaufeigenschaften besser, aber auch das Handling bergab wird beeinflusst.

Seit dem Frühjahr 2025 im Einsatz hat mein 2025er Mondraker Crafty R jetzt 2.500km am Tacho. Genug Zeit, um am Setup zu arbeiten und sich eine Meinung zu bilden. Mein Spezialized Turbo Levo Gen3 – Spezialized Turbo Levo Gen3 – Last Setup – habe ich noch nicht verkauft, sondern nutze es zu Gegenchecks.

Noch immer top in Schuss und bereit für Gegenchecks – mein 2022er Spezialized Turbo Levo Gen3

Als Spezialized Fan war ja eigentlich der Umstieg auf das Turbo Levo Gen4 geplant. In erster Linie aus gewichtstechnischen, aber auch optischen Gründen ist es dann aber ein Mondraker Crafty geworden.  – Mondraker Crafty R – Alternative zum Spezialized Turbo Levo Gen4 ? – Ja richtig, das Crafty ist auch schwer und dick. Das aber bei deutlich besserem Preis/Leistungsverhältnis als bei Spezialized und einer eigenständigen Optik, die mir gut gefällt.

Ist das neue Spezialized Turbo Levo Gen4 besser als das Mondraker Crafty?

Zu Winterbeginn habe ich dann das neue Spezialized Turbo Levo Gen4 vom Rofa Sport eine Woche lang intensiv testen können. – Spezialized Turbo Levo Gen 4 Alloy Testride – Immer im Vergleich zu meinem „alten“ Gen3 Levo und zum neuen Crafty R.

Easy – Mondraker Crafty R Setup

Lenker auf 780 mm gekürzt, meine dünnen DMR Griffe und Shimano Saint Downhillpedale montiert. Dann noch die breiten 2,6er Maxxis mit meinen geliebten Schwalbe RadialrreifenSchwalbe Mountainbike Radialreifen – the next big thing? – in 2,5“ ersetzt, Lenker, Sattelhöhe und Luftdrücke eingestellt und es kann losgehen.

Mein Crafty R im JentlFlow Setup sowie optisch gepimpt mit roten Griffen und Gabel Decals

Bergauf mit dem Mondraker Crafty R

Ich fahre (bei Körpergröße 184 cm und langen Beinen) das Crafty in der neuen Rahmengröße M/L, was bei Spezialized einem S4 und ansonsten einem L entspricht. Reach 480 mm passt mir perfekt. Mondrakers L ist schon sehr groß/lang. (Reach 500 mm)
Mondrakers Forward Geometry mit langem Reach und Radstand sowie kurzen Vorbau ist heute nichts besonderes mehr.  Was sofort auffällt ist der steilere Sitzwinkel als beim Gen3 Levo und der mit 35 mm sehr kurze Vorbau. Dadurch sitzt man weiter vorne, was bergauf natürlich super ist. Allerdings auch etwas gedrungen, daran muss man sich gewöhnen. Oder eben ein L nehmen.
Das Crafty ist ein Full 29“ Bike mit relativ langen Kettenstreben. (+1 cm zum Gen3, +2 cm zum Gen4 Levo, beide Mullet 29“/27,5“) Bergauf ist das natürlich ein Vorteil. Das große Hinterrad hat mehr Reifenauflagefläche und damit mehr Grip, die langen Kettenstreben (und die Sitzposition durch den steilen Sitzwinkel) halten das Vorderrad am Boden. Das Gen3, aber auch das neue Gen4 Levo können da nicht mit. Die genialen Klettereigenschaften werden dann noch durch den kräftigen, aber auch gut dosierbaren Bosch CX Motor unterstützt. Dadurch macht mit dem Crafty technisches, steiles Gelände auch berauf richtig Spass. – Mondraker Crafty R – Teil 1: Der Motor – Bosch CX5

Bergab – Mondraker Crafty R Geometrie

So gut ein 29“ Hinterrad und lange Kettenstreben auch bergauf funktionieren, ich bin grundsätzlich kein Fan davon. Ein kleineres Hinterrad hat zwar weniger Traktion, bietet aber bei Bergabstufen mehr Bewegungsspielraum nach hinten und lässt das Heck schneller ums Eck gehen. Speziell dann, wenn die Kettenstreben kürzer sind. Dazu sollte sich auch das Vorderrad leichter anheben lassen, was für mich ein wichtiges Kriterium ist. So weit die Theorie.
In der Praxis gab es dann gleich das erste aha Moment. Das Vorderrad lässt sich beim Crafty spürbar besser vom Boden lösen als beim Levo3. Und auch nicht schlechter als beim Gen4 Levo mit 2 cm kürzeren Kettenstreben. Diese Theorie wäre also einmal widerlegt. Ob das am kurzen 35 mm Vorbau oder am lebendigen Hinterbau mit viel Pop liegt? Bisher weiß ich nicht warum, bin aber sehr froh darüber.

Beim Handling dauerte es eine Zeit, bis ich mich damit anfreundete. In schnellen Kurven, wenn es darum geht, Schwung mitzunehmen oder wenn Hinterradtraktion gefordert ist, hat man mit dem großen Hinterrad Vorteile. Dafür sind speziell in langsamen, engen Ecken die Levos mit kleinem Hinterrad und kurzen Kettenstreben schneller und lebendiger. Dadurch fahren sie sich auch generell spielerischer, das Crafty eher racy. Mir persönlich geht es weniger ums Tempo, daher ist mir hier das Levo Handling lieber. Bei Steilstufen kratzt hin und wieder das 29er Hinterrad am Hintern, aber damit kann ich leben.

Beim Crafty ist das Steuerrohr länger und damit auch der Stack größer als bei den Levos. Fährt man mit ähnlich viel Spacern unter dem Vorbau, ist man vorne relativ hoch. Aktuell ist ja eine hohe Front wie sie Downhill Weltcupsieger Jackson Goldstone fährt topaktuell. Die aufrechtere Stehposition soll stabiler sein und kraftsparenderes Fahren ermöglichen. Toll dachte ich mir und ging mit dem Vorbau noch etwas höher. Allerdings führte das bei mir zu weniger Gefühl fürs Vorderrad und ich war nicht so gut im Rad integriert. Dann ging ich mit dem Vorbau tiefer als vorher und siehe da, ich fühlte mich wohler, sprich sicherer und dadurch entspannter als vorher. Offensichtlich fahre ich leider keinen Jackson Goldstone Style. 🙂
Durch den jetzt niedrigen Lenker fällt es mir auch leichter, das Hinterrad zu entlasten, das dadurch spürbar leichter um enge Ecken geht. Das Spielen mit der Hinterradtraktion ist einfacher. Das wird wohl auch die Intension Mondrakers Forward Geometrie sein, das Bike über die Front zu fahren. Damit habe ich auch den 29“ Handlingnachteil einigermaßen in den Griff bekommen und sehe das 29er Hinterrad nicht mehr so kritisch.

Wäre das Crafty mit 27,5 Hinterrad für mich besser?

Schwer zu sagen, die Allroundeigenschaften mit 29“ sind schon sehr gut und wenn man sich darauf eingestellt hat, kann man mit den Nachteilen gut leben. Das Reifenmanagement ist auf jeden Fall einfacher.

Gewicht – viel zu hoch

Mit fahrfertigen 25 kg ist mein Crafty alles andere als leicht. Und das Gewicht ist spürbar. Wenn man aktiv fährt, bei Wurzeln abzieht, im technischen Gelände die Räder versetzt. Im flachen oder sehr steilen Gelände oder wenn es bei Sturzgefahr heikel wird. Immer dann ist ein leichteres Bike von Vorteil.
Und genau diesen spüre ich schon beim Umstieg auf mein fast 1 kg leichteres Gen3 Levo. Ebenso wie das neue Gen4 Levo ist das Crafty für sportliche, aktive Fahrer einfach zu schwer. Da wäre noch deutlich mehr drinnen.

Bergab – Mondraker Crafty R Fahrwerk

Ein Highlight des Crafty ist der Zero Suspension Hinterbau. Die Umlenkhebeln liegen schön tief im Rahmen und das Federbein wird von beiden Seiten zusammengedrückt. Super Ansprechverhalten, guter Gegenhalt im mittleren Bereich, kein Durchschlagen. Dazu fährt sich der Hinterbau sehr aktiv, das Rad lässt sich trotz des hohen Gewichts gut bei Wurzeln abziehen und fährt sich lebendig. Dabei ist hier vom Federbein (Fox Float X Performance) sicher noch was drinnen. Die Spezialized Hinterbauten im Gen3 und Gen4 funktionieren mit dem gleichen Dämpfer aber auch auf hohem Niveau. Interessant wäre ein Vergleich mit dem neuen Genie Dämpfer, der in den teueren Gen4 Levos verbaut ist.

Vorne funktioniert die Fox 38 Performance Grip ebenfalls sehr gut. Mit der einfachen Grip Kartusche spricht die Gabel ausgezeichnet an und kommt auch mit härtern Schlägen gut zurecht. Ist das Tempo höher und die Schlagabfolgen schneller, bleibt die Front mit der aufwendigeren X2 Kartusche ruhiger. Daher habe ich das Innenleben der Gabeln meiner beiden Bikes getauscht und fahre am neueren Bike die bessere Kartusche.

Mondraker Crafty R 2025er Parts

Ich wollte weg von SRAM Bremsen und brauche nicht unbedingt eine elektronische Schaltung. Beim 2025er Crafty ist eine Shimano XT Bremse und Schaltung verbaut. Meine ersten Erfahrungen: Die XT Bremse ist leichtgängiger, hat einen deutlich besseren Druckpunkt und ist minimal kräftiger als meine Code RSC am Gen3 Levo. Mit den original Resin Belägen und 203er Ice Tech Bremsscheiben. Außerdem absolut geräuschfrei auch bei Nässe uns Schnee. Für mehr Bremswirkung werde ich noch die Galfer Pro Beläge ausprobieren. Wenn es lange technisch steil bergab geht und man die Bremsen nicht lösen kann, gibt es leider auch Fading und Druckpunktwandern. Hier sind die dünnen 203er Scheiben wahrscheinlich zu klein.
Die XT Schaltung funktioniert einwandfrei, wenn auch nicht so knackig wie SRAM. Die „old school“ Montage über ein Schaltauge habe ich eher positiv gesehen, kann man doch das Auge gut ausrichten und tauschen und schont das teure Schaltwerk. (Das bei einer SRAM Transmission richtig teuer ist) Allerdings hat es mir ohne ersichtlichen Grund das gesamte Schaltwerk aus- und zerrissen, dann in die Speichen und hinters Ritzelpaket gezogen … Ob das mit SRAM Transmission auch passiert wäre? Der Zukunft gehört wohl den robusteren, direkt am Rahmen angeschraubte UDH Schaltwerken.
Das Sitzrohr ermöglicht wenig Einstecktiefe und so bietet die ONOFF Sattelstütze beim M/L Rahmen (nur) maximal 180 mm. (155-180 mm einstellbar). Durch meine langen Beine ist etwas mehr drinnen, so habe ich auf eine Stütze mit 195 mm gewechselt, mehr geht leider nicht.
Laufräder, und speziell das Hinterrad ist beim E-Bike sehr belastet. Ein größeres 29“ erst recht. Über die verbauten Mavic E-Deemax kann ich bisher nichts Negatives sagen. Das Hinterrad läuft leicht unrund, aber durchaus noch im Rahmen.

Fazit

Viele Fragezeichen beim Umstieg von Spezialized auf Mondraker. Nach dem Test des Gen4 Levos von Rofa SportSpezialized Turbo Levo Gen 4 Alloy Testride – bin ich kurz ins Grübeln gekommen, aber ich bleibe standhaft. Das Mondraker Crafty ist bergauf eine Macht. Bergab hat das größere 29er Hinterrad und die längeren Kettenstreben doch einiges an Umgewöhnung erfordert. Bei Preis/Leistung und Optik ist das Crafty meiner Meinung nach die bessere Wahl. Hohes Gewicht und hässliche dicke Unterrohre (mit leicht entnehmbaren Batterien) haben beide. Hier sind locker 2 kg drinnen, die für den sportlichen Biker sehr wohl relevant sind. Dennoch, aus heutiger Sicht würde ich das Crafty R wieder kaufen, aber dann doch das 2026er Modell, das mit robusteren SRAM Komponenten kommt.