Nach einem Jahr, gut 3.500 km und 170.000 Höhenmetern mit dem 2025er Mondraker Crafty R kenne ich den Motor – Mondraker Crafty R – Teil 1: Der Motor – Bosch CX5 – und das Bike – Mondraker Crafty R – Teil 2: Das Bike – recht gut. Laufend wurde über den Winter am Setup gearbeitet und neue Erkenntnisse kamen dazu.

JentlFlow Testrevier – Der Schöckl im Grazer Bergland

Bosch CX 5 – Motortune mit voller Leistung

Der Bosch Performance CX 5 überzeugt auf der ganzen Linie. Motorleistung, Feinfühligkeit, Dynamik, Nachlauf – einfach perfekt. – Mondraker Crafty R – Teil 1: Der Motor – Bosch CX5 – Die vier Stufen kann man in der Bosch eBike Flow App anpassen. Und hier habe ich fest weitergetestet.
Im aktuellen Setup fahre ich in allen Modi mit 100 NM und 750 W, also voller Leistung.  Die „Unterstützung“ bestimmt, wieviel der Motor selbst „mitschiebt“. Die volle Leistung (100 NM, 750 W) kommt also nur zu tragen, wenn man selbst richtig Leistung bringt. Solange man die Unterstützung niedrig lässt, kostet das nicht mehr Strom, bringt aber ein sehr dynamisches Fahrgefühl. Viel Eigenleistung erzeugt viel Motorleistung. Das motiviert und man bleibt länger als sonst in einer niedrigen Unterstützungsstufe. Auch bei kurzen Rampen braucht man nicht in die nächste Stufe schalten, sondern tritt kurz härter. Dadurch fahre ich jetzt länger und öfter in meinem schwächsten Modus, dem Tour+. Damit habe ich sogar den Akkuverbrauch gesenkt trotz voller Leistung.

Sparsam und dynamisch – mittlere Unterstützung, aber volle Leistung

Geometrie Setup- Tretlager runter

Beim Crafty kann man die Tretlagerhöhe um 0,5 cm absenken. Das senkt den Schwerpunkt und flacht den Lenkwinkel um 0,5° auf 64,15°. Für mich passt das perfekt. Man steht besser im Bike und fühlt sich sicher. Auch Kurven können besser „gecarved“ werden. Schnelle offene Kurven sind sowieso ein Highlight mit dem Crafty. Neben Mondrakers Forward Geometrie punktet hier das 29er Hinterrad. Auch die mit 456 mm relativ langen Kettenstreben zahlen hier ein. Natürlich lässt sich so auch gewaltig gut klettern. Eine weitere Paradedisziplin des Crafty.
Zum Allroundcharakter passt die Geometrie mit dem 29er Hinterrad recht gut. Dennoch, ich würde mir eine Umbauoption auf Mullet (hinten 27,5“) wünschen. Ich fahre gerne technisch und eng steil bergab, da ist mir das kleine Hinterrad lieber. Wie mir der Vergleich mit meinem „alten“ – Spezialized Turbo Levo Gen3 – Last Setup –  immer wieder zeigt. Das Heck ist hier agiler und lässt sich einfacher bewegen. Beim Crafty muss ich bewusst mehr Gewicht über die Front bringen, um mit dem ausbrechenden 29er Hinterrad lenken zu können. Jedes Konzept hat halt seine Vor- und Nachteile.

Crafty Fahrwerkssetup (85 kg)

Das Fahrwerk mit dem Zero Suspension System Hinterbau ist ein weiteres Highlight des Crafty.  – Mondraker Crafty R – Teil 2: Das Bike
Mein Setup für den Dämpfer im Hinterbau, Fox Float X Performance: 200 PSI, Zugstufe 4 Klicks raus.
Bei der Fox 38er Gabel habe ich die Dämpferkartusche von Performance Grip auf Performance X2 umgebaut. Mein Setup hier: 93 PSI, Low Speed Rebound 11 Klicks raus, High Speed Rebound 6 Klicks raus, Low Speed Compression 6 Klicks raus, High Speed Compression 2 Klicks raus, 2 Tokens.
Die originale Performance Grip bin ich mit 93 PSI, Rebound 5 Klicks raus, Druckstufe (Lockouthebel) steht auf „12:05“ und  2 Tokens gefahren bzw. fahre sie so im alten Levo.

Reifen Setup – Radial was sonst?

Schwalbe Shredda und Magic Marry RadialNach wie vor für mich ein echter Gamechanger sind die – Schwalbe Mountainbike Radialreifen – the next big thing? – Die radiale Karkasse dämpft um Welten besser und ermöglicht geschmeidiges Fahren, auch wenn es rau wird. Dazu mehr Grip in allen Lebenslagen. Für mich kommt nichts anderes infrage.

Alle Reifen fahre ich mit Radial Gravity Casting und 29×2,5“, Luftdruck gemessen mit Topeak SmartGauge D2 Luftdruckprüfer.

Mein Crafty Sommer Reifen Setup:

Trocken: Vorne Schwalbe Magic Marry Radial Supersoft 1,3 -1,4 Bar
Hinten Schwalbe Albert Radial Soft 1,5 – 1,6 Bar
Nass: jeweils abzüglich 0,1 Bar

Mein Crafty Winter Reifen Setup: (Laub, Schnee, Eis, Nass)

Vorne:  Schwalbe Schredda Rear Radial Supersoft 1,3 Bar. Ja der „Rear“ funktioniert super als Vorderreifen. Nicht so hohe Stollen wie beim „Front“ aber deutlich aggressiver als der Magic Marry.
Hinten: Schwalbe Magic Marry Radial Supersoft 1,4-1,5 Bar (Der Sommer Vorderreifen kommt für den Winter hinten drauf und wird ins Frühjahr hinein fertig gefahren)

Im Vergleich zur Schwalbe Gravity Diagonalkarkasse muss man die Radial Gravity Reifen mit 0,2 -0,3 Bar mehr Luftdruck fahren, sonst gibt es Durchschläge. Aber auch so sind sie deutlich griffiger und komfortabler.

Bremsen Test Galfer Wave und Race Beläge

Nach vielen Jahren mit SRAM Code R und RSC mit verschieden Scheiben und Belägen war die Shimano XT 4 Kolben Anlage am Crafty eine Erlösung. Leichtgängig, ein definierter Druckpunkt, der bleibt, wo er ist (zumindest bei über 10° Außentemperatur), kein Quietschen und gute Bremspower trotz „nur“ 200er (Centerlock) Scheiben. Mit den originalen organischen Shimano Resin Belägen. Nachteil ist der starke Verschleiß der dünnen Ice Tech Scheiben und eben das Druckpunktwandern bei Temperaturen unter 10 Grad, wenn das Öl zäh wird.

Shimano Bremstuning?

Gegen noch etwas mehr Bremspower hätte ich nichts, auch etwas mehr Standfestigkeit bei langen, steilen Abfahrten wären gut. Daher der Test mit Galver Wave Scheiben und Galver Race Belägen. Das Ergebnis war allerdings ernüchternd. Zum originalen Shimano Setup (Ice Tech Scheiben, Resin Beläge) leider kein Gewinn an Bremsleistung. Ich habe auf ein direkteres Ansprechverhalten und etwas mehr Power gehofft. Oder braucht man dazu doch die Galfer Shark Scheiben? Was sich verbessert hat, ist die Hitzebeständigkeit, die Wave Scheiben sind doch 2 mm stärker. Die Dosierbarkeit ist minimal besser, aber da ist das Shimano Setup auch top.
Ich habe dann die Wave Scheiben mit Shimano Resin Belägen probiert, nochmal die Ice Tech Scheiben mit Resin Belägen und schließlich Ice Tech Scheiben mit Galfer Race Belägen.
Mein Fazit: Die beste Bremsleistung hat man mit Shimano Ice Tech Scheiben und Galfer Race Belägen. So fahre ich jetzt an der Vorderbremse. Die Wave Scheiben sind standfester und haltbarer, daher fahre ich sie hinten. Ob Galver oder Shimano Belag macht für mich hier keinen Unterschied.

Schaltung XT mechanisch

Das Crafty wird wohl mein letztes Rad mit mechanischer Schaltung sein, der Fortschritt schreitet voran. So den großen Vorteil beim elektrischen Schalten sehe ich da nicht, und so war ich mit der Oldschool XT am 2025er Crafty R recht happy. Bis es mir ohne ersichtlichen Grund bei ca 2.000 km das Schaltwerk runtergerissen hat. Seither fahre ich das Schaltwerk „offen“. Durch die Beweglichkeit des Schaltarms schlägt die Kette zwar mehr, der Werfer kann aber zumindest nach vorne nachgeben. Und bisher gab es so keine Probleme mehr.

Problemfall Sattelstützeneinschub

Das Rahmenkonzept mit Zero Suspension System Hinterbau, bei dem der Dämpfer durch das Sitzrohr geht, hat den Nachteil, das der Sattelstützeneinschub begrenzt ist. Daher sind auch serienmäßig Sattelstützen mit wenig Hub verbaut. Bei Rahmenhöhe M/L sind es 155-180 mm verstellbar. Ich habe lange Beine und wollte zumindest eine 190er Stütze fahren, doch damit gab es in der Anlenkung im Rahmen Probleme. So fahre ich jetzt die originale Con Tec Stütze mit 180 mm Hub. Immer wieder prüfe ich mit dem Gesäß, ob der Sattel voll versenkt ist und hätte Ihn gerne 2 cm tiefer. Gerade mit dem 29er Hinterrad wäre es wichtig das Gewicht zentral gut absenken zu können. Das ist schade und eigentlich nicht mehr zeitgemäß.

Laufräder – standhaft

Etwas skeptisch war ich bezüglich der Mavic E-Deemax 29er Laufräder. Bei meinem Spezialized Levo Gen3 gab es laufend Probleme mit dem Hinterrad. – Spezialized Turbo Levo Gen3 – Last Setup – Hier kommen doch enorme Kräfte zu tragen. Bergauf durch den Antrieb, bergab durch das Bikegewicht. Die Mavic Räder haben nur 28 Speichen und wirken optisch nicht sehr robust. Dennoch überhaupt keine Probleme. Beim Vorderrad sowieso, aber auch die hintere Felge steht noch recht gerade, trotz doch sehr vieler Downhillkilometer. Auch Freilauf und Nabe laufen einwandfrei, top.

Fazit

Das Mondraker Crafty R begeistert auch nach 3.500 Kilometern. Geometrie, Fahrwerk, Motor, Preis-Leistung – top! Auch deutlich unter 10.000 Euro bekommt man hier einen superben Allrounder. Durch die spezielle Mondraker Geometrie bergauf unschlagbar. Bergab erfordert die lange Geometrie mit 29er Hinterrad eine angepasste Fahrtechnik, aber dann geht’s dahin. Was würde ich mir wünschen? 1,5-2 Kilo weniger und eine schlankere Optik durch fest verbauten Akku, Umbaumöglichkeit auf Mullet und mehr Einschubmöglichkeit für die Sattelstütze. That’s ist. Mal beim Rofa Sport schaun was das eben vorgestellte Mondraker Zendit davon umgesetzt hat…